Militärbischof warnt vor Kürzungen bei der Militärseelsorge
Manche Politiker fordern Kürzungen oder sogar eine Abschaffung der Militärseelsorge. Ein solcher Schritt würde bei Soldatinnen und Soldaten auf Widerstand stoßen, sagt der katholische Militärbischof Overbeck.
Berlin/München (KNA) 16.02.2026
Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck warnt vor Kürzungen bei der Militärseelsorge. „Ich würde behaupten, dass ein solcher Schritt auf Widerstand bei den Soldatinnen und Soldaten stoßen würde“, sagte der Bischof von Essen. „Über 90 Prozent von ihnen nehmen unsere Gespräche und sonstigen Angebote in Anspruch, obwohl nur 50 Prozent aller Soldatinnen und Soldaten getauft sind.“ Zuletzt hatten Politiker von Links und Rechtsaußen sogar eine Abschaffung der Militärseelsorge gefordert.
Mit dem Krieg in der Ukraine kommt eine ganz neue Gefahrenwelt auf uns zu, betonte Overbeck. Das müssen wir intensiv begleiten, nicht nur bei den Soldatinnen und Soldaten, sondern auch bei deren Familien. Die Ängste, möglicherweise in einen Krieg involviert zu werden, steigen und sind nicht von der Hand zu weisen.
Auf die Frage, ob es künftig mehr Militärseelsorger brauche, antwortete der Bischof, diese seien in Konfliktsituationen dringend nötig - zu Hause, aber auch an den Schauplätzen von möglichen Kämpfen, von denen er hoffe, dass sie nicht stattfinden. Entsprechende Vorbereitungen liefen, wohl wissend, dass wir eine Priorisierung der Aufgaben vornehmen müssen angesichts der nicht sehr großen Zahl von Priestern und Pastoralreferentinnen und-referenten, die in der katholischen Kirche für diese Aufgaben zur Verfügung stehen.
Flyer zum Synodalen Weg veröffentlicht
Seit 2019 hat die katholische Kirche in Deutschland auf dem Synodalen Weg nach Antworten auf die gegenwärtige Situation gesucht und Schritte zur Stärkung des christlichen Zeugnisses beraten. In Synodalversammlungen haben mehr als 200 Delegierte Beschlüsse gefasst, um auf die Herausforderungen zu reagieren, vor denen Kirche und Gesellschaft heute stehen. Einen Überblick über die Ergebnisse und Beschlüsse der Synodalversammlungen bietet ein Flyer, der jetzt vom Büro des Synodalen Weges veröffentlicht wurde.
Der Flyer Der Synodale Weg – Beschlüsse und Ergebnisse kann unter
Ramadan und Fastenzeit beginnen diesmal fast am selben Tag
Glücksfall für den Dialog zwischen Christen und Muslimen. Fasten gilt in vielen Religionen als wertvolle geistige Übung. Auch für Christen und Muslime. In diesem Jahr beginnen sie gemeinsam.
Von Christoph Schmidt (KNA)
Bonn (KNA) 16.02.2026
Am 19. Februar beginnt für Muslime der Fastenmonat Ramadan.
Nur einen Tag zuvor, am Aschermittwoch, gehen auch Christen in ihre 40-tägige Fastenzeit bis Ostern.
Für den Dialog zwischen den Religionen ist das ein Glücksfall, der dem islamischen Mondkalender zu verdanken ist. Denn er verschiebt den Beginn des Ramadans jedes Jahr um zehn bis elf Tage nach vorne. Schon seit einigen Jahren haben sich beide Fastenzeiten deshalb überschnitten, doch ein gemeinsamer Start ist äußerst selten.
Christen wie Muslime suchen im Verzicht auf materielle Genüsse die Besinnung auf Gott, ihre jeweiligen Glaubensinhalte und die eigene Spiritualität. Die Zeit der Entbehrung und Buße soll geistige Selbstdisziplin und das Mitgefühl mit Bedürftigen stärken.
Beide Religionen erlauben Ausnahmen für bestimmte Gruppen, so sollen etwa Kranke und Schwangere nicht fasten.
Doch es gibt auch große Unterschiede zwischen Ramadan- und christlichem Fasten.
Während Muslimen an allen 30 Tagen des Monats von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jegliches Essen und Trinken, sogar Rauchen und Geschlechtsverkehr strikt untersagt sind, gilt für Christen vor allem der Fleischverzicht.
Streng geregelt sind in der katholischen Kirche aber nur der Aschermittwoch und der Karfreitag. Für Protestanten herrschen keine speziellen Vorschriften.
Auch deshalb ist das Fasten im christlichen Kontext heute stark individualisiert. Man verzichtet auf Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen oder Social Media. Im Alltag christlich geprägter Länder wie Deutschland spielt die vorösterliche Enthaltsamkeit kaum noch eine Rolle.
Der Ramadan, der mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens endet, hat im Glaubensleben von Muslimen dagegen einen wichtigen Platz. Neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Pflichtgebeten, der Almosengabe und der Wallfahrt nach Mekka ist er eine der fünf Säulen des Islam. In der islamischen Welt kommt das öffentliche Leben tagsüber quasi zum Erliegen. Dafür ist nach dem abendlichen Fastenbrechen (Iftar) auf den oft festlich beleuchteten Straßen umso mehr los; es gibt öffentliche Armenspeisungen und selbst im Fernsehen laufen fromme Sendungen und besondere Unterhaltungsprogramme. Zuhause kommen die Familien zum Iftar-Essen zusammen, am späten Abend versammeln sich Männer zum sogenannten Tarawih-Gebet in den Moscheen- Gemeinschaft wird im Ramadan großgeschrieben.
In Deutschland ist das Fasten über alle kulturellen Grenzen hinweg sehr verbreitet. Etwa drei Viertel der schätzungsweise sechs Millionen Muslime in Deutschland halten sich laut einer Studie ganz oder teilweise an die Gebote des Ramadan.
Aber auch 72 Prozent der Mehrheitsgesellschaft gaben 2025 in einer repräsentativen Forsa-Umfrage an, zwischen Aschermittwoch und Ostern auf Genüsse zu verzichten, meist auf Alkohol, Süßes oder Fleisch- und das, obwohl bekennende Christen inzwischen die Minderheit sind.
Der diesjährige gemeinsame Fasten-Start ist für das interreligiöse Verständnis eine besondere Gelegenheit. Die zeitliche Überschneidung bietet eine willkommene Gelegenheit, einander besser kennen zulernen und den respektvollen, förderlichen Dialog zwischen Christen und Muslimen zu vertiefen.
Darum feiern Menschen jetzt Fasching, Fastnacht oder Karneval
Alte Traditionen und neue Ideen an den buntesten Tagen im Jahr Konfetti, Kostüme, Kamelle: In vielen Regionen herrscht für 5 Tage der Ausnahmezustand. Wer mitfeiert, genießt die Heiterkeit im grauen Winter. Hinter vielen Bräuchen steckt derweil noch mehr.
Von Paula Konersmann (KNA) 28. Januar 2026
Mit der Bezeichnung fünfte Jahreszeit können Rheinländer, Mainzer, Bayern und auch die Basler alle etwas anfangen. Doch der Lokalpatriotismus steckt den Narren im Blut, deswegen feiert jede jecke Region schon namentlich anders: Fasching, Fastnacht oder Karneval.
Das närrische Treiben wirft aber auch darüber hinaus manche Fragen auf.
Woher kommt die Tradition?
Ohne Ostern keine Fastnacht. Denn vor der Fastenzeit galt es einst, Fleisch und verderbliche Lebensmittel- auch Bier- zu vernichten, am besten bei einem großen gemeinsamen Fest.
Die Fastenzeit als Vorbereitung auf das höchste christliche Fest Ostern beginnt am Aschermittwoch (in diesem Jahr am 18. Februar) und dauert vierzig Tage (ohne die Sonntage). Bis heute wird Karneval hauptsächlich in katholisch geprägten Regionen gefeiert.
Wann beginnt die fünfte Jahreszeit?
Die Session wird am 11.11. um 11.11 Uhr eröffnet. Die Gründe für die Vorliebe der Narren für die Zahl Elf sind nicht eindeutig geklärt, aber lassen sich schon im 14. Jahrhundert belegen. Die 11 wird manchmal als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe symbolisieren soll. Ab dem Elften im Elften gibt es Sitzungen mit Tanzgruppen, Reden und Musikbands. Diesen Veranstaltungen sitzt oft ein sogenannter Elferrat vor. Der Höhepunkt wird im Frühjahr beim Straßenkarneval erreicht: Sechs Tage lang, von Donnerstag bis Dienstag, wird mit großen Umzügen und Veranstaltungen gefeiert. Kleinere Umzüge gibt es schon in den Vorwochen.
Und wann ist der Spaß vorbei?
In der Nacht zum Aschermittwoch endet die närrische Zeit- auch das in der Regel nicht sang- und klanglos oder gar still. In Köln etwa wird eine Strohpuppe verbrannt: der Nubbel, als Verantwortlicher für die Ausschweifungen während des Karnevals; in Düsseldorf und am Niederrhein wird der Hoppeditz zu Grabe getragen, in Bonn werden die leeren Geldbörsen im Rhein ausgespült. Auch in der schwäbisch alemannischen Fastnacht gibt es den Brauch, dass die Fasnet- meist in Form einer Strohpuppe- verbrannt wird. Mancherorts fällt auch der Narrenbaum, ein weiteres Symbol für die Fastnacht, den Flammen zum Opfer.
Was bedeuten die verschiedenen Namen?
Die fünfte Jahreszeit hat viele Namen: In Bayern, Österreich und Sachsen ist der Begriff Fasching gebräuchlich. Er leitet sich vom Fastenschank ab, also dem letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. In Teilen Bayerns, Südwestdeutschlands und der Schweiz wird dagegen Fastnacht/Fasnacht gefeiert.
Karneval gibt es vor allem im Rheinland. Das Wort stammt wahrscheinlich vom Mittel lateinischen carne levare, was Fleisch wegnehmen bedeutet.
Ebenso werden die einzelnen Tage unterschiedlich benannt.
Die Fastnachtswoche beginnt im schwäbisch alemannischen Raum mit dem schmotzigen Donnerstag, im Rheinland dagegen mit der Weiberfastnacht und im Harzer Land mit dem Fetten Donnerstag.
Es folgen der Nelkensamstag, der Orchideen- oder Tulpensonntag, der Rosenmontag und schließlich der Veilchendienstag, der auch Fastnachtsdienstag genannt wird.
Welche Unterschiede gibt es zwischen den Regionen?
Im rheinischen Karneval spielen der Straßenkarneval mit kölschem Liedgut und vielfältigen Kostümen eine zentrale Rolle, die manche von Jahr zu Jahr wechseln.
In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht behalten die Träger ihre Masken stets bei.
Oft ist es üblich, sie von Generation zu Generation zu vererben.
Warum verkleidet man sich?
Der Fantasie sind bei den Kostümen kaum Grenzen gesetzt. Ursprünglich spielte die Idee, in eine andere Rolle zu schlüpfen- und damit die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen- eine entscheidende Rolle. Im 19. Jahrhundert ließen sich auf diese Weise Kontakte über Klassen- und Standesgegensätze hinweg knüpfen.
Heute gibt es eher Debatten darüber, welche Verkleidungen noch vertretbar sind: Wann wird es sexistisch oder rassistisch? Wo beginnt kulturelle Aneignung? Sind Verkleidungen als Winnetou oder Old Shatterhand noch okay?
Was hat es mit dem Prinzenpaar auf sich?
Der Prinz ist in vielen Regionen das Oberhaupt der Narren. Er regiert allein, mit einer Prinzessin, einem Zeremonienmeister oder in einem Dreigestirn. Die Analogie zum Adelstitel, die sich auch in einer festlichen Uniform spiegelt, deutet auf die Umkehrung der Verhältnisse hin.
Weihbischof: Kirchen in der Ukraine werden zu Zufluchtsorten
Wärme, Essen, Strom- im vierten Kriegswinter stehen viele Kirchen den Menschen in der Ukraine offen. Ein Geistlicher erklärt, warum das wichtig ist.
Köln (KNA) 28. Januar 2026
Im vierten Kriegswinter in der Ukraine werden Kirchen einem Geistlichen zufolge zu Zufluchtsorten. Zum Beispiel ist unsere Kathedrale in Kiew jetzt Tag und Nacht geöffnet , sagte der griechisch-katholische Weihbischof von Lwiw, Wolodymyr Hruza. Dort kann man sich aufwärmen, es gibt Essen, Internet und man kann sein Handy aufladen. Die Bedeutung darf man nicht unterschätzen: Viele haben Verwandte im Ausland oder in der Ostukraine oder warten auf Nachricht von ihren Männern an der Front. Russland gehe es bei dem Krieg nicht darum, seine Fläche zu vergrößern, sagte Hruza. Stattdessen gehe es um Imperialismus, eine Machtdemonstration in Richtung Europa und um die Weltordnung.
Wenn sich jeder nimmt, was er will, nur aufgrund seiner Stärke, wo führt das hin?, fragte der Weihbischof. Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit und ein Leben in seiner Heimat.
Jesuiten: Geplante Abschiebezentren ethisch fragwürdig
Bei einem Treffen mit EU-Kollegen hat Innenminister Dobrindt seine Pläne für Abschiebezentren konkretisiert: Die Return Hubs sollen außerhalb der EU errichtet werden. Kritik daran kommt auch aus den Reihen der Kirche.
Berlin (KNA) 27.01.2026
Der katholische Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geplanten Abschiebezentren kritisiert. Die Idee sei ethisch höchst fragwürdig, sagte Leiter Stefan Keßler. Menschen würden so als reine Verfügungsmasse betrachtet, die man hin und herschieben könne. Die Schicksale und Bedürfnisse der einzelnen Personen blieben völlig unberücksichtigt. Das ist mit zentralen Werten, für die Europa steht oder zumindest stehen sollte, nicht vereinbar , so Keßler.
Dobrindt hatte am Donnerstag angekündigt, zusammen mit anderen EU-Ländern sogenannte Return Hubs außerhalb der EU zu errichten, um Abschiebungen zu beschleunigen. Eine entsprechende Vereinbarung soll noch in diesem Jahr getroffen werden. Laut Dobrindt wollen sich auch Österreich, Dänemark, die Niederlande und Griechenland beteiligen.
Keßler betonte, es stellten sich zahlreiche rechtliche Fragen- etwa, wer die Verantwortung für konkrete Abschiebe Entscheidungen übernehme. Auch müsse geklärt werden, ob Betroffene sich gerichtlich gegen eine solche Entscheidung wehren könnten.
Rotes Kreuz: Bevölkerung muss in Krisen widerstandsfähiger werden
Mehr Freiwilligendienste und ein neuer Erste-Hilfe-Kurs zum Selbstschutz: Der neue Rot-Kreuz-Präsident Hermann Gröhe fordert einen Kraftakt für Bevölkerungsschutz. Aktuell sei Deutschland schlecht aufgestellt.
Freiburg (KNA) 27.01.2026
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat sich für einen schnellen und professionellen Ausbau des Bevölkerungsschutzes in Krisensituationen ausgesprochen. Wir sind beim Bevölkerungsschutz zu schwach aufgestellt, so dass es eines richtigen Kraftakts bedarf , sagte der neue DRK-Präsident Hermann Gröhe.
Gröhe forderte Konsequenzen wegen der veränderten sicherheitspolitischen Lage und wegen der jüngsten Extremwetterereignisse wie Überflutungen. Er sprach sich für mehr Katastrophenschutzkurse aus. Es gelte, die Widerstandskraft der Bevölkerung zu stärken, etwa durch eine breite Ausbildung in Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten. Menschen müssten lernen, wie sie sich bei Stromausfall oder Extremwetter verhalten müssen, forderte der frühere Bundesgesundheitsminister. Und es müssen um fassend und auf allen Ebenen Fähigkeiten im Bevölkerungsschutz ausgebaut und entsprechende Einrichtungen verbessert werden. Hier besteht ein ganz erheblicher Nachholbedarf.
Eindringlich sprach sich Gröhe auch für die Förderung von ehrenamtlichem Engagement im Katastrophenschutz aus. 90 Prozent der Einsätze im Bevölkerungsschutz würden derzeit von Ehrenamtlichen getragen. Wichtig sei, so Gröhe, die Freiwilligendienste im sozialen Bereich und im Bevölkerungsschutz zu stärken und auch besser zu bezahlen, um dadurch unsere Widerstandskraft für den Krisenfall zu stärken.
Ministerin: Deutschland muss in Entwicklungszusammenarbeit vorangehen
Die Entwicklungszusammenarbeit soll trotz harter Einschnitte gestärkt werden. Dabei setzt Ministerin Alabali Radovan auf strategische Allianzen, klar benannte Interessen und eine konsequent wertebasierte Politik.
Frankfurt/Berlin (KNA) 23.01.2026
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) will die Entwicklungszusammenarbeit mit der EU und weiteren Partnern stärken. Als Bundesregierung senden wir ein klares Signal: Deutschland bleibt verlässlicher Partner und steht zur regelbasierten Weltordnung, sagte sie. Klar sei allerdings auch, dass der Rückzug der USA aus der internationalen Kooperation kaum zu kompensieren sei- weder allein von Deutschland noch von der EU. Ihre Reformvorhaben seien jedoch eine passende Antwort. Die Einschnitte sind hart, aber notwendig, sagt Alabali Radovan.
In dieser Hinsicht verteidigte die Ministerin auch strategische Allianzen mit Golfstaaten. Es geht um punktuelle Zusammenarbeit entlang gemeinsamer Interessen, etwa beim Wiederaufbau in Gaza oder auch in Syrien. Man müsse mit allen ins Gespräch kommen, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit einsetzten. Insgesamt sollten deutsche Interessen klarer benannt werden.
Was Militärseelsorge leistet- neue Studie zeigt hohe Zustimmung
Positiver Einfluss und große Wertschätzung auch bei Konfessionslosen
Trotz Distanz vieler Soldaten zur Kirche: Eine neue Studie zur Militärseelsorge zeigt eine breite Akzeptanz in der Bundeswehr. Die Ergebnisse der mehrjährigen Studie und Befragung von 7.000 Soldaten im Überblick.
Von Karin Wollschläger (KNA) 23.01.2026
Was kann und was leistet die Militärseelsorge? Unter dieser Leitfrage hat das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland rund 7.000 Soldatinnen und Soldaten in einer repräsentativen Umfrage zu Religion und Seelsorge in der Bundeswehr befragt. Insgesamt zeigt sich, dass die Militärseelsorge trotz gesellschaftlicher Säkularisierungstendenzen in den Streitkräften eine enorme Akzeptanz genießt- auch bei konfessionslosen Soldaten. Das großangelegte Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr lief von 2019 bis 2023. Nun ist der Auswertungsband erschienen.
Laut Studie befürworten 91 Prozent der Soldatinnen und Soldaten die Militärseelsorge im Grundbetrieb vor Ort und 95 Prozent bei Auslandseinsätzen. Diese hohen Werte seien stabil und hingen nur bedingt von der persönlichen Religiosität ab. Gut die Hälfte der Befragten hat Angebote der Militärseelsorge bereits in Anspruch genommen und würde dies auch wieder tun. Rund 30 Prozent gaben an, dass die Militärseelsorge ihre Einstellung zu Religion und Kirche positiv beeinflusst habe.
Mit Blick auf die religiöse Ansprechbarkeit zeigt sich: Sowohl ältere als auch die jüngsten Soldaten (unter 20 Jahren) sind hier besonders offen. Es zeigt sich ferner, dass Gottesdienste, die von der Militärseelsorge angeboten werden, für die große Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten einer der wenigen oder auch der einzige Berührungspunkt mit den institutionalisierten Formen von religiöser Praxis sind.
Vor allem im Einsatz wird das Angebot häufig angenommen und auch anderen weiterempfohlen. Insgesamt werden Angebote für einsatzbelastete Soldatinnen und Soldaten und deren Familien mit 64 Prozent am häufigsten empfohlen.
Trotz der von den Befragten mehrheitlich signalisierten religiösen Distanz geben viele auf Nachfrage an, persönliche Schutzrituale zu praktizieren oder Gegenstände als Glücksbringer oder Talismane bei sich zu tragen. Dazu zählen etwa kleine Figuren von Schutzpatronen oder Engeln, Rosenkränze oder Gebetsketten. Diese werden laut Studie besonders gern von katholischen Seelsorgern verschenkt. Bei Soldatinnen sind Tattoos mit spiritueller Bedeutung als Schutzzeichen verbreitet.
Es zeigt sich ferner, dass die Akzeptanz für religiöse Pluralität in der Truppe höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Allerdings sinkt sie mit zunehmenden Auslandseinsätzen, ab fünf Einsätzen signifikant. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dort erlebte Konfrontationen und mögliche moralische Verletzungen Ursachen dafür sind- darauf einzugehen, sei eine Aufgabe, bei der sich auch die Militärseelsorge einbringen solle, so die Studie.
Militärseelsorgerinnen und-seelsorger werden laut Befragung vor allem als unabhängige Ratgeber und Vertrauenspersonen wahrgenommen, wobei ihre Stellung außerhalb der militärischen Hierarchie und die absolute Verschwiegenheit für 95 Prozent der Befragten zentral sind.
Den verpflichten den Lebenskundlichen Unterricht (LKU), den die Seelsorger anbieten, halten 77 Prozent der Befragten für wichtig, wobei längere Seminarformate mit Übernachtung die höchste Zufriedenheit (86 Prozent) erzielen.
Die Studie nahm auch die generelle Wertorientierung der Bundeswehrangehörigen in den Blick. Demnach gibt es keine Hinweise auf eine Sonderethik. Allerdings ist ihnen Selbstverwirklichung deutlich wichtiger als dem Bevölkerungsdurchschnitt, ebenso die Orientierung, etwas im Beruf zu leisten.
Gerade für die jüngeren Befragten haben Fleiß und Ehrgeiz hohe Priorität. Sehr wichtig sind den Soldatinnen und Soldaten auch Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Der Glaube an Gott ist für die Älteren von erheblich größerer Bedeutung als für die Jüngeren. Insgesamt aber habe der Glaube an Gott als Wertorientierung für die Soldatinnen und Soldaten eine noch geringere Bedeutung als für die Gesamtbevölkerung. Bei den Wertorientierungen zeigen sich kaum Unterschiede in Bezug auf Geschlecht, Dienstgrad oder Alter. Auch eine zunehmende Einsatzerfahrung habe- entgegen nahe liegenden Annahmen- nach den vorliegenden Analysen keinen erkennbaren Einfluss darauf.
Die Studie bilanziert: Als Kirche unter den Soldatinnen und Soldaten leiste die Militärseelsorge einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Integration und zur ethischen Orientierung im Sinne des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform. Besonders im Einsatz, wo die Streitkräfte mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert sind, gewinnt sie zusätzlich an Bedeutung.
Für die Zukunft werde entscheidend sein, ob die Kirchen das notwendige Personal bereitstellen können und die Bundeswehr die notwendigen Freiräume für diese besondere Form der Seelsorge dauerhaft sichere.
Helfer kritisieren geplante Umstrukturierung im Auswärtigen Amt
Das Auswärtige Amt soll umgebaut werden. Ein großer Punkt: Ausrichtung von Partnerschaften stärker an Deutschlands Interessen. Hilfsorganisationen warnen, was das für das Ansehen der Bundesrepublik in der Welt bedeutet.
Bonn/Berlin (KNA)
Hilfsorganisationen äußern sich besorgt über die geplanten Umstrukturierungen im Auswärtigen Amt. Dass die bislang eigenständige Abteilung für Krisenprävention, Friedensförderung und humanitäre Hilfe nun offenbar aufgelöst werden solle, berge das Risiko von Kompetenzverlust und Verzögerungen, warnte der Generalsekretär der Organisation Help, Thorsten Klose-Zuber, am Mittwoch. Nach den bereits massiven Kürzungen im humanitären Budget sendet dieser Schritt ein zusätzliches, fatales Signal: Humanitäre Hilfe könnte stärker an strategischen Interessen ausgerichtet werden. Zuvor hatten Medien am Dienstag über die Pläne von Außenminister Johann Wadephul (CDU) berichtet. Demnach soll das Auswärtige Amt grundlegend umgebaut werden. Unter anderem werde die Steuerung von humanitärer Hilfe, Krisenprävention und Friedensförderung nun an die jeweiligen Länderreferate gehen, statt wie bisher in einer eigenen Abteilung gebündelt zu sein. Alle weiteren Kompetenzen der aufgelösten Einheit gingen an die Abteilung für Internationale Ordnung, die auch für UN-Angelegenheiten und Menschenrechte zuständig ist. Laut Wadephul gehe es auch darum, Deutschlands Partnerschaften stärker an Interessen auszurichten.
Auch das Hilfswerk Care blickt kritisch auf die Pläne. Wenn das Prinzip 'Hilfe nach dem größten Bedarf' aufgegeben wird, bedeutet das: Wer Hilfe bekommt, wird nicht mehr danach entschieden, wer sie am dringendsten braucht und am meisten leidet, sondern danach, was uns politisch nützt , er klärte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Es sei abzusehen, dass sich durch die Verwaltungsumstellung viele Entscheidungen im Bereich der humanitären Hilfe um Monate verzögerten. Diese Zeit haben Menschen in Krisen und Konflikten nicht , betonte Zentel.
Erzbischof gegen Ukraine-Friedensplan- Kompromisse erforderlich
Der 28-Punkte-Plan der USA für Frieden in der Ukraine erfährt in Europa deutliche Ablehnung. Auch die Deutsche Kommission Justitia et Pax lehnt ihn nun deutlich ab. Gleichzeitig ist klar: Ohne Kompromisse geht es nicht.
Bonn (KNA)
Die Deutsche Kommission Justitia et Pax hat den von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plan für Frieden in der Ukraine zurückgewiesen. Der Plan in seiner derzeitigen Form bedeutet sicherlich nicht mehr Sicherheit für die Ukraine aber auch nicht für Europa, erklärte der Kommissions Vorsitzende Erzbischof Udo Markus Bentz am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Stattdessen lese er sich wie ein russischer Versuch, die eigenen Gewinne zu sichern und die Ausgangsposition für zukünftige Attacken zu verbessern. Der Paderborner Erzbischof betonte, dass grundsätzlich alle Bemühungen für einen Frieden in der Ukraine zu begrüßen seien. Auch würden dafür sicher schmerzhafte Kompromisse erforderlich sein. Dennoch müsse jeder Friedensplan die legitime Selbstbestimmung, territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit des Landes sicherstellen. Alles andere wäre ein ungerechter Friede auf dem Rücken der ukrainischen Bevölkerung, sagte Bentz. Das wäre nicht nur politisch kurzsichtig, sondern auch ethisch untragbar.
Der Erzbischof sieht nun vor allem die europäischen Staaten in der Pflicht, sich stärker einzubringen. Gleichzeitig fordert Bentz, den Frieden auch mit Strafverfolgung abzusichern. Für schwere Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht darf es keine Amnestie geben. Kriegsverbrechen müssen aufgeklärt, dokumentiert und strafrechtlich verfolgt werden. Erfolge diese juristische Aufarbeitung nicht, könne keine Friedensordnung entstehen und es drohe neue Gewalt.
Ostbeauftragte: Brauchen Kirchen- stabilisierend für Gesellschaft
Kirche als stabilisierendes Netz in unsicherer Zeit: Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, lobt die Kirchen für besondere Eigenschaften. Was sie über Glauben, Werte und politische Verantwortung sagt.
Berlin (KNA)
Die Kirchen tragen nach Ansicht der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), entscheidend zu demokratischer Stabilität bei und stiften Gemeinschaft jenseits von Diskursblasen. Ich beobachte, wie stabilisierend kirchliche Netzwerke auch heute noch sein können. Als Arbeitgeber im sozialen Bereich der Pflege oder der Betreuung ist die Kirche nicht wegzudenken. Und sie stiftet Gemeinschaft , sagte Kaiser beim Jahresempfang der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in Berlin. Zudem dankte sie den Kirchen, dass sie klar auf der Seite der Demokratie stünden: Sie werden so dringend gebraucht. Außerhalb von Familienverbänden fällt mir kein anderer Ort ein, an dem alle Generationen so regelmäßig zusammenkommen und Gemeinschaft erleben. Rund um den Gottesdienst treffen Menschen aufeinander, die im normalen Leben eigentlich kaum Berührungspunkte miteinander haben, führte Kaiser aus. Das sei besonders wichtig in einer Zeit, in der man sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch aus Sorgen machen müsse. Die lebendigen, diskursfreudigen Kirchgemeinden sind ein ganz wichtiger Bestandteil unserer lebendigen Demokratie. Ich möchte Sie ermutigen, auch weiterhin diese Kontroversen nicht zu scheuen.
Der 9. November ist der deutscheste aller Tage des Jahres
Sternstunden und Tiefstpunkte Novemberrevolution, Hitlerputsch, Novemberpogrome und Mauerfall: Der 9. November wird als Schicksalstag der Deutschen bezeichnet. Der Bundespräsident will über diesen Tag und die Demokratie reden.
Von Christoph Arens (KNA) Berlin (KNA)
Er ist der wohl deutscheste aller Tage des Jahres. Wenn die Deutschen am 9. November auf ihre Geschichte zurückblicken, schauen sie auf absolute Tiefpunkte, aber auch auf Sternstunden.
Der 9. November- ein Schicksalstag, an dem sich deutsche Geschichte verdichtet und in ihren Widersprüchen deutlich wird: Da ist der Fall der Mauer 1989. Endlich mal eine geglückte und friedliche Revolution- der glücklichste 9. November in der Geschichte der Deutschen. Weil die DDR Bürger an diesem Tag letztlich den Weg zur Wiedervereinigung frei machten, war dieser Gedenktag zeitweilig sogar als Nationalfeiertag des vereinigten Deutschland in der Diskussion.
Doch ein freudiger Gedenktag hätte daraus nie werden können. Denn am 9. November fiel nicht nur die Mauer. Der Tag markiert auch eine der dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte, den Absturz eines kulturell vermeintlich hoch stehenden Landes in die Barbarei: Am Abend des 9. November 1938 vollzog sich in Deutschland der bis dahin größte Judenpogrom der Neuzeit in Mitteleuropa. Mehr als 1.300 Menschen starben; mehr als 1.400 Synagogen und Beträume im gesamten Deutschen Reich wurden verwüstet und etwa 7.500 Geschäfte geplündert. Über 30.000 männliche Juden wurden in Konzentrationslager gebracht.
Ein Zivilisationsbruch: Von den Novemberpogromen, der sogenannten Reichskristallnacht, führte der Weg nach Auschwitz, Treblinka und Buchenwald.
Neben der Erinnerung daran steht aber auch ein anderer Moment der deutschen Geschichte: die Novemberrevolution, das Ende der Monarchie und die Ausrufung der Republik in Berlin am 9. November 1918.
Dieser Tag, an dem der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Berliner Reichstagsgebäude aus die Republik ausrief, gilt als die Geburtsstunde der parlamentarischen Demokratie in Deutschland.
Doch mit diesen Meilensteinen der Geschichte ist der 9. November noch nicht ausreichend als Gedenktag beschrieben. Am 9. November 1923 brach der sogenannte Hitlerputsch gegen die demokratische Reichsregierung in München kläglich zusammen.
Ebenfalls am Vorabend des 9. November, diesmal 1939, scheiterte auch der geplante Bombenanschlag des Handwerkers Georg Elser auf Hitler. Er hätte womöglich den Zweiten Weltkrieg noch verhindern können.
Weithin verschwunden aus der Gedenkkultur ist der 9. November 1848. Die standrechtliche Hinrichtung des republikanischen Parlamentsabgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, Robert Blum, nach dem Oktoberaufstand in Wien bedeutete eine offene Kampfansage der Vertreter der Monarchie gegen das aus der bürgerlichen Märzrevolution hervorgegangene erste demokratisch gewählte gesamtdeutsche Parlament. Die Hinrichtung Blums markierte einen entscheidenden Wendepunkt: den Anfang vom Ende dieser Revolution.
Sturm kommt auf - ZDF-Zweiteiler über das Aufkommen des Nationalsozialismus
Wie eine Dorfgemeinschaft zerfällt und wie der Faschismus in die bayerischen Dörfer kam: Davon erzählen 180 spannende, anrührende und präzise in Szene gesetzten Filmminuten nach einem Roman von Oskar Maria Graf.
Von Katharina Zeckau (KNA) Mainz (KNA)
Sich nicht einlassen oder einmischen, weder für noch gegen jemanden sein, nichts von anderen wollen, aber auch niemandem ein Unrecht tun, sich raushalten: Das ist die Devise des Schusters, wie er in leichten Variationen immer wieder erklärt. Dieser Kraus ist der Friedfertige in Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“ von 1947, den Drehbuchautorin Hannah Hollinger und Regisseur Matti Geschonneck nun fürs Fernsehen adaptiert haben.
Der Zeitpunkt scheint leider recht passend, erzählt der Zweiteiler „Sturm kommt auf“ doch davon, wie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Gift des Faschismus in eine (Dorf-)Gemeinschaft einsickert.
Das ZDF strahlt die zwei 90-Minüter am 10. November zwischen 20.15 und 21.45 Uhr sowie 22.00 und 23.30 Uhr aus.
Das, was der Schuster ablehnt, nennt er mit einem wohl selbst erfundenen Wort A-bopa: Damit meint man alles, was einem rechtschaffenen Menschen das Leben verbittern kann... Mit einem Wort, die ganzen Widerwärtigkeiten vom Staat, von den Ämtern, vom Gericht und der Polizei- das ist A-bopa... Auf so was muss man sich nicht einlassen, so erklärt er es im Roman der sonntäglichen Dorfrunde. Und klingt dabei fast ein wenig wie ein heutiger Staatsverweigerer, Reichsbürger oder ähnlich Verirrter. Doch im Unterschied zu diesen hat der Schuster bereits mit tödlicher Konsequenz am Leib seiner eigenen Familie erlebt, wie Vertreter einer- wohlgemerkt autoritären und undemokratischen- Staatlichkeit sowie eine entsprechend sozialisierte Gesellschaft mit Minderheiten umgehen.
Allzu lange kann der Kraus, hervorragend gespielt vom österreichischen Kabarettisten und Schauspieler Josef Hader, das mit dem Sich-Raushalten ohnehin nicht durchhalten: Die Unruhe der Zeitläufte zwischen Erstem Weltkrieg und der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist letztlich einfach stärker. Ebenso wie das Gift der politischen Debatten, die jegliches Maß verloren haben: Es verschont kaum eine zwischenmenschliche Beziehung und fällt bei durch existenzielle Not, finanzielle Sorgen, Kriegstraumata, Propaganda oder Service auch einfach Gier verhärteten Menschen auf empfänglichen Boden. Sturm kommt auf erzählt davon, wie eine keineswegs konfliktfreie, aber funktionierende Dorfgemeinschaft zerfällt.
Vor 30 Jahren wurde Ministerpräsident Jitzchak Rabin ermordet
Schuss ins Herz der Demokratie Seine Annäherung an die Palästinenser bezahlte Jitzchak Rabin mit dem Leben. Ein Nationalreligiöser sah darin Verrat. Von der damaligen Friedensvision ist Israel weiter entfernt als je zuvor.
Von Andrea Krogmann und Burkhard Jürgens (KNA) Jerusalem (KNA)
Am 4. November 1995 fielen am Rande einer Friedensdemonstration in Tel Aviv Schüsse. Zwei Kugeln trafen den damaligen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Jitzchak Rabin. „Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen“, hatte Rabin noch wenige Minuten zuvor von der Bühne aus gesagt.
Für den nationalreligiösen Studenten Jigal Amir waren Rabins Worte und Taten Verrat. Der Mord tötete nicht nur den Mann, der als erster gewählter Vertreter Israels Palästinenserführer Jassir Arafat die Hand geschüttelt hatte; er traf auch das Herz der Demokratie.
Jitzchak Rabin, geboren 1922 in Jerusalem, wuchs mit links-zionistischen Ideen auf. 1941 trat er der neugegründeten paramilitärischen Eliteeinheit Palmach bei. Sie ging bei der Gründung des Staates 1948 in die israelischen Streitkräfte über, deren siebter Stabschef Rabin im Dezember 1963 werden sollte. In seine Zeit fiel der Sechs-Tage-Krieg 1967, der zur Annexion Jerusalems und des Westjordanlandes führte.
Seine Karriere führte Rabin über die Posten des Botschafters in Washington und des Arbeitsministers im Juni 1974 ins höchste Regierungsamt- als erster Ministerpräsident Israels, der im Land geboren war.
In seiner Amtszeit unterzeichnete er ein Interimsabkommen mit Ägypten, auf dessen Grundlage sein Nachfolger, Menachem Begin, 1979 den Friedensvertrag mit dem Nachbarstaat besiegelte. Zwischenzeitlich aus Regierung und Parteivorsitz ausgeschieden, wurde Rabin 1984 Verteidigungsminister, 1992 noch einmal Ministerpräsident.
In seiner zweiten Amtszeit arbeitete er energisch am Nahostfrieden, was sich unter anderem im jordanisch-israelischen Friedensabkommen von 1994 niederschlug.
Die ersten direkten Gespräche zwischen Israelis und Palästinenserführung führten zu den Oslo-Abkommen. Der Plan sah vor, nach einer Übergangszeit palästinensischer Selbstverwaltung im Westjordanland und im Gazastreifen einen dauerhaften Status auszuhandeln.
Das Engagement brachte Rabin 1994 den Friedensnobelpreis ein- zusammen mit seinem Außenminister Schimon Peres und Palästinenserführer Jassir Arafat. Keine 14 Monate später war er tot.
Ich war 27 Jahre lang Soldat. Ich habe gekämpft, solange es keine Chance auf Frieden gab. Ich glaube, dass es jetzt eine Chance für Frieden gibt, eine große Chance, beschrieb Rabin selbst seine Rolle in seiner letzten großen Rede.
„Der Krieg ist niemals heilig, nur der Frieden ist heilig, weil er von Gott gewollt ist!“
Papst mit eindringlichem Friedensappell vor eindrucksvoller Kulisse
Das Kolosseum ist Roms Wahrzeichen seit der Antike. Die eindrucksvolle Kulisse dieses Ortes nutzte der Papst für einen nicht weniger beeindruckenden Friedensappell- gemeinsam mit Vertretern anderer Religionen. Rom (KNA)
KathNachrichten 29.10.2025
Vor der Kulisse des römischen Kolosseums hat der Papst gemeinsam mit hochrangigen Vertretern anderer Religionen zu Frieden und Versöhnung aufgerufen. Konflikte gibt es überall, wo Leben ist, aber es ist nicht der Krieg, der dabei hilft, mit ihnen umzugehen oder sie zu lösen, sagte Leo XIV. zum Abschluss des Weltfriedenstreffens der Gemeinschaft Sant'Egidio.
Die Welt dürste nach Frieden, so das katholische Kirchenoberhaupt weiter. Sie benötige eine echte und gefestigte Epoche der Versöhnung, die dem Machtmissbrauch, der Zurschaustellung von Stärke und der Missachtung des Rechts ein Ende setze.
„Es ist genug mit den Kriegen, mit ihren leidvollen Häufungen von Toten, Zerstörungen und Vertriebenen!“ , bekräftigte der Papst in seiner Ansprache, die mehrfach von Applaus unterbrochen wurde.
Leo XIV. wandte sich gegen eine Instrumentalisierung von Religionen, um Nationalismus, Ethnizismus und Populismus zu schüren. „Wehe denen, die versuchen, Gott in Kriege hin einzuziehen!“ , so Leo XIV. Der Krieg ist niemals heilig, nur der Frieden ist heilig, weil er von Gott gewollt ist!
Die Kultur der Versöhnung werde die derzeitige Globalisierung der Ohnmacht überwinden, die den Anschein erwecke, als ob eine andere Geschichte unmöglich wäre, sagte der Papst.
Dies ist der Appell, den wir als Religionsführer von ganzem Herzen an die Regierenden richten, fuhr Leo XIV. fort. Wir müssen den Frieden wagen! Und falls die Welt für diesen Appell taub sein sollte, sind wir sicher, dass Gott unser Gebet und die Klagen so vieler Leidender erhören wird. Denn Gott wolle eine Welt ohne Krieg. Er wird uns von diesem Übel befreien, so der Papst abschließend. Die eindringliche Ansprache folgte auf ein ökumenisches Gebet in dem größten antiken Amphitheater. Während die Christen unterschiedlicher Konfessionen dort für Frieden beteten, trafen sich die Anhänger unterschiedlicher ostasiatischer Religionen an verschiedenen Orten, unter anderem im Garten und im Kreuzgang des römischen Kamaldulenser Klosters, zum Gebet.
Einen besonderen Ort hatten die Vertreter des Judentums: Sie trafen sich zum Gebet am Titusbogen am Rand des Forum Romanum. Das Bauwerk aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zeigt in einem Relief den Triumphzug des Kaisers Titus (69-81) nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70. Unter anderem ist dort der große sieben armige Leuchter aus dem Tempel zu sehen, der von römischen Truppen geraubt wurde und heute als verschollen gilt.
Studie: Freiwilliger Wehrdienst reicht aus
Die Bundeswehr braucht Verstärkung. Ob ein freiwilliger Wehrdienst ausreicht- darüber ist ein politischer Streit entstanden. Eine repräsentative Umfrage zeichnet ein klares Bild.
Hamburg (KNA)
Rechtswissenschaftler sehen auf Grundlage einer neuen Umfrage keine Notwendigkeit für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Über ein freiwilliges Modell lasse sich auch ohne Zwang eine Verstärkung der Bundeswehr er reichen, erklärte der Jurist Peter Wetzels laut Mitteilung der Universität Hamburg.
Zumindest empirisch besteht daher keine Notwendigkeit zur Wiedereinführung einer Wehrpflicht , so Wetzels. Laut Uni-Angaben wurden im Juli 2.279 Menschen im Alter von 18 bis 70 Jahren zu Wehrpflicht und Verteidigungsbereitschaft repräsentativ befragt.
18 Prozent aller Teilnehmer mit deutscher Staatsbürgerschaft, die bislang weder Militär noch Zivildienst geleistet haben, bekundeten demnach Interesse an einem freiwilligen sechsmonatigen Grundwehrdienst.
Bei den 18- bis 29-Jährigen habe der Anteil mit 19 Prozent etwas höher gelegen.
Konservativ geschätzt seien mindestens 175.000 junge Männer und 70.000 Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren in der Bevölkerung zu finden, die für einen Dienst in der Bundeswehr auf freiwilliger Basis gewonnen werden könnten, so Wetzels.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im Juni erklärt, dass die Bundeswehr bis zu 60.000 zusätzliche Soldaten im aktiven Dienst brauche. In der Online-Umfrage lehnten laut Angaben 30 Prozent jede Form der Wehrpflicht ab. Am meisten Zustimmung (42 Prozent) fand ein Modell mit einem einjährigen Dienst für Männer und Frauen, der wahlweise in der Bundeswehr oder in sozialen Einrichtungen geleistet werden kann.
Umfrage: motra_Spotlight_02_25.pdf
ZdK-Chefin würdigt Konzilsdokument Nostra aetate als Wendepunkt
Auch in anderen Religionen gibt es Wahres und Heiliges. Was heute logisch klingt, war vor sechzig Jahren eine Revolution. ZdK-Vertreter erklären, wie ein Konzilsdokument den Dialog mit anderen Religionen ermöglichte. Berlin
KathNachrichten 28.10.2025
Irme Stetter-Karp hat die Erklärung Nostra aetate als Wendepunkt für das jüdisch-christliche Verhältnis und den interreligiösen Dialog gewürdigt. In einer Mitteilung erklärte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Montag: Das war ein Highlight des Zweiten Vatikanischen Konzils- und ist es bis heute. Der 28. Oktober 1965 sei ein denkwürdiger Tag, weil die Kirche damals erklärt habe, dass es in anderen Religionen Wahres und Heiliges gebe, so Stetter-Karp weiter.
Der Titel der Erklärung lautet übersetzt „In unserer Zeit“ , sie wurde am 28. Oktober 1965 beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962- 1965) verabschiedet. Die Chefin des höchsten repräsentativen Gremiums des deutschen Laien-Katholizismus erklärte, über Jahrhunderte habe gegolten: Außerhalb der Kirche kein Heil . Das habe das Konzil beendet. Dabei habe das Konzil zunächst lediglich nach der Schoah Ungeklärtes im Verhältnis zum Judentum aufarbeiten wollen. Dann aber geriet Nostra aetate zu einem großen Wurf kritischer Selbstreflexion und entschiedener Umorientierung der Kirche, so die ZdK-Präsidentin. Die Erklärung ruft nicht nur zu Dialog und Zusammenarbeit aller Religionen auf, sondern schwingt sich zu einer tiefen Würdigung der jüdischen und der muslimischen Geschwister im Glauben auf. Der vor sechzig Jahren veröffentlichte Text mache noch heute Mut, Veränderungen mutig anzugehen, sagte Stetter Karp. Denn weit über 90 Prozent der Konzilsväter hätten der Erklärung zugestimmt.
Die Erklärung habe jede Form des Antisemitismus entschieden verurteilt: Nostra aetate er klärte, dass jede Diskriminierung eines Menschen dem Geist Christi widerspricht. Das ist eine klare Botschaft auch für uns heute.
Auch im christlich-muslimischen Verhältnis markierte die Konzilserklärung einen Wendepunkt. Der Text betonte erstmals viele Gemeinsamkeiten zwischen dem christlichen und muslimischen Glauben und geht auch davon aus, dass es derselbe Gott ist, an den wir uns wenden, sagten die Vorsitzenden des Gesprächskreises Christen und Muslime, Anja Middelbeck-Varwick und Esnaf Begi.
Schreibstart für Dresdens neue Thora-Rolle- Alle können zusehen
Ein seltenes Ritual wird sichtbar: In Dresden wird erstmals eine jüdische Thora komplett in einem öffentlichen Pavillon geschrieben. Besucher können 18 Monate lang vor dem Stadtmuseum zusehen.
KNA 23.08.2025
Die Jüdische Kultusgemeinde in Dresden lässt sich eine Thora-Rolle schreiben- und alle können dabei zuschauen. Die ersten Buchstaben setzten Rabbiner Akiva Weingarten und Yehoshua Diaz, ein speziell geschulter Schreiber (Sofer), im Dresdner Rathaus auf das Pergamentband. In den nächsten etwa 18 Monaten schreibt der Sofer mit Tinte und Gänsefeder in einem Pavillon vor dem Stadtmuseum. Durch ein Schaufenster kann man ihn beobachten.
Normalerweise ziehen sich Thora-Schreiber zurück in einen stillen Raum, weil ihnen diese streng geregelte rituelle Zeremonie Präzision und tiefe geistige Konzentration ab verlangt.
In Dresden beginne jedoch etwas ganz Besonderes, erklärte Rabbiner Weingarten. Eine Thora, das Herzstück des Judentums, werde öffentlich geschrieben, für alle sichtbar, in der Mitte der Stadt. Wir laden ein, zuzuschauen, zu fragen und zu lernen.
Zu diesem öffentlichen Bildungsprogramm gehörten auch Live-Übertragung im Internet, Führungen und Gespräche. Begleitend sind Ausstellungen, Vorträge und Workshops geplant.
Die Thora als heilige Schrift der Juden umfasst die fünf Bücher Mose. Das Pergament ist auf zwei Holzrollen gewickelt. Während des Gottesdienstes am jüdischen Ruhetag Schabbat wird sie auf einem erhöhten Tisch (Bima) entrollt und ein Abschnitt daraus gelesen.
Die Kultusgemeinde, 2021 von Rabbiner Akiva Weingarten gegründet, ist die kleinste und jüngste von drei Jüdischen Gemeinden in Dresden. Sie bezeichnet sich als egalitäre, liberal-chassidische Gemeinde. Die größte und älteste ist die Jüdische Gemeinde zu Dresden mit rund 700 Mitgliedern. Daneben gibt es eine orthodoxe von der Gruppierung Chabad Lubawitsch.
https://stmd.de/programm/ausstellungen/die-ewige-schrift-eine-thora-fuer-dresden
Papst Leo XIV. fordert gemeinsame Friedensarbeit von Religionen – Frieden ist keine spirituelle Utopie
Scharf geht Papst Leo XIV. mit Politikern und internationalen Institutionen ins Gericht. Er wirft ihnen vor, Recht, Vermittlung und Dialog nicht durchzusetzen. Darum müssen Religionsgemeinschaften und Gesellschaft ran.
KNA 23.08.2025

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Religionsgemeinschaften und Gesellschaft sollen sich gemeinsam für Frieden einsetzen. Das fordert Papst Leo XIV. am Donnerstag in einer Botschaft an die Teilnehmer eines Katholikentreffens in Rimini.
Dort, wo die Verantwortlichen der staatlichen und internationalen Institutionen offenbar nicht in der Lage sind, Recht, Vermittlung und Dialog durchzusetzen, müssen die Religionsgemeinschaften und die Zivilgesellschaft den Mut zur Prophezeiung aufbringen, so Leo XIV.
Dies bedeute, schon jetzt zu sehen, was aus den Trümmern und aus so viel unschuldigem Leid entstehen könne.
Frieden sei keine spirituelle Utopie, so der Papst weiter. Er ist ein bescheidener Weg, der aus alltäglichen Gesten besteht, die Geduld und Mut, Zuhören und Handeln mit einander verbinden. Jede Gemeinschaft solle ein Haus des Friedens werden, in dem die Möglichkeit des Dialoges statt Feindseligkeit vermittelt, und in dem Gerechtigkeit praktiziert und Vergebung bewahrt werde.















