Papst Leo XIV. fordert klare Regeln für Künstliche Intelligenz
Bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz nimmt der Papst die Politik in die Pflicht. Leo XIV. fordert klare Regeln und warnt vor möglichen Gefahren- auch für Familien.
KNA 24.08.2026

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Papst Leo XIV. hat Politiker dazu auf gerufen, die Entwicklung Knstlicher Intelligenz (KI) verantwortungsvoll zu gestalten. Eine solide Gesetzgebung sollte wissenschaftliche und technologische Kreativität fördern und gleichzeitig die grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten schützen, sagte Leo XIV. am Freitag bei einem Treffen mit katholischen Parlamentariern im Vatikan.
Zum Schutz von Nutzern und Demokratie brauche es klare rechtliche Rahmenbedingungen, unabhängige Aufsicht, Bildung und ein politisches System, das sich seiner Verantwortung stelle, sagte der Papst. Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene müssten gemeinsame Standards entwickelt werden. Zugleich müsse verhindert werden, dass eine einzelne Ideologie oder ein einzelnes Interesse die in KI Systemen verankerten Werte bestimme.
Leo XIV. warnte zudem davor, dass KI die Familie als Grundzelle der Gesellschaft untergraben könnte - sei es, in dem Menschen und Beziehungen auf Daten und Simulationen reduziert werden, indem junge Köpfe mit Inhalten überflutet werden, die das Verlangen verzerren, oder durch Wirtschaftsmodelle, die das Familienleben wirtschaftlich unsicher machen.
Er appellierte an die Parlamentarier, politische Ma nahmen zur Stärkung von Ehe und Familie zu fördern und jungen Menschen eine gute Zukunft zu ermöglichen. An dem Treffen nahmen Mitglieder des International Catholic Legislators Network teil, einer weltweiten Vereini gung katholischer Parlamentarier. Einer der Schirmherren des Netzwerks ist der frhere Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn.
Religionsbeauftragter beklagt hohe Zahl religiös motivierter Gewalt
Weltweit werden Menschen wegen ihres Glaubens oder Nicht-Glaubens Opfer von Gewalt.
KNA 24.08.2026

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Deutscher Bundestag / Inga Haar
Der Religions- und Weltanschauungsbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Rachel (CDU), hat eine hohe Zahl an religiös bedingten Gewalttaten beklagt.
Oft sind es nicht-staatliche Akteure oder Terrororganisationen, die Gewalttaten gegen religiöse oder weltanschauliche Minderheiten verüben, um dadurch ihre eigenen Interessen zu befördern, sagte Rachel am Samstag zum Internationalen Gedenktag an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung.
Aber auch Machenschaften autoritärer Regime sowie populistische Hetze und Desinformation führen weltweit immer wieder zu Gewalt gegen Andersgläubige oder Menschen, die keiner bestimmten Religion angehören wollen, führte Rachel weiter aus. Die besorgniserregende Zahl solcher Gewalttaten in der Welt habe nicht zuletzt mit der global wachsenden Anzahl gewaltsamer Konflikte und der steigenden politischen Instabilität zu tun.
Rachel rief alle Bürger auf, auch diejenigen zu schützen, die ihre Religion verließen, wechseln wollten oder Glaubensvorschriften anzweifelten.
Bischof Wilmer warnt vor Angst als neuem Diktator
Frieden braucht Mut: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz plädiert für Verteidigung mit Augenmaß, warnt vor Angstpolitik
KNA 24.08.2026

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Bistum Münster/ Michael Bönte
Angesichts von Krisen und Kriegen hat Bischof Heiner Wilmer davor gewarnt, sich von der Angst als neuem Diktator bangemachen zu lassen. Im am Freitag veröffentlichten Kirche und Leben-Interview sagte der katholische Bischof von Münster: Für fatal hielte ich es, wenn wir uns aus lauter Angst zurückzögen, aus lauter Angst unsere Freiheit aufgäben, um in noch mehr Sicherheit und Kontrolle zu investieren. Angst darf nicht unser Berater sein. Vielmehr gelte es, zusammenzustehen.
Sozialethiker Nass fordert ethisches Gütesiegel für KI-Einsatz
KI und Werte zusammen denken: Christliche Ethik soll technische Entwicklung nicht nur begleiten, sondern mitgestalten. Der Sozialethiker Elmar Nass hat einige Ideen, wie sich das auch ökonomisch sinnvoll gestalten ließe.
03.06.2026 (KNA)
Angesichts der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) regt der Kölner Sozialethiker Elmar Nass die Entwicklung eines ethischen Gütesiegels an. In einem ersten Schritt müsse man humanen KI-Einsatz marktkonform als Vorteil gegenüber anderen Praktiken profilieren, erläuterte Nass am Dienstag in Dresden. Hierbei sind selbstverständlich neben ethischen Werten und Prinzipien auch wirtschaftliche Konsequenzen zu bedenken, sodass sich ethische Redlichkeit ökonomisch rechnet. Ziel müsse es sein, Anreize für eine wertebasierte Forschung mit humanem KI-Profil auf den Weltmärkten zu etablieren, so Nass. Notwendig sei daneben auch auf der Verbraucherseite ein Bewusstseinswandel. Von der Grundschule bis zur Hochschule und darüber hinaus müssen laut dem Sozialethiker Diskussionen über guten und schlechten KI-Einsatz geführt werden. Analog etwa zu einer inzwischen allseits geschätzten grünen Energie wäre dann eine humane KI ein an zustrebendes Label, das sich gut verkauft.
Nass, dessen Buch zum Thema KI im März erschienen ist, sieht die christliche Ethik in einer Vorreiterrolle, um eine lebenswerte Zukunft der Menschheit zu weisen. Zugleich mahnte er, dass eine solche christliche Ethik nicht einfach der technischen Entwicklung hinterherlaufen dürfe. Sie sollte vielmehr den technischen Fortschritt von der Wurzel her selber aktiv mitgestalten und den innovativen Forschergeist inhaltlich mit beflügeln, so Nass.
Der durch die KI-Forschung vorgezeichnete Weg solle unter Einbeziehung auch christlich ethischer Expertise weiter kritisch begleitet werden. Zugleich könne in Zusammenarbeit von Technikern und Ethikern ein technischer Fortschritt entwickelt werden, der christliche Ideale von Würde und Zusammenleben bereits in seinem Kern trage und einer programmierten Moral der Algorithmen entgegenwirke, erklärte Nass.
Papst ruft zu Fasten und verbaler Abrüstung auf
In seiner ersten Fasten-Botschaft setzt Papst Leo XIV. einen besonderen Akzent. Es geht ihm nicht nur ums Fasten beim Essen und Trinken, sondern auch um das Zuhören und den Umgang mit der Sprache.
Vatikanstadt (KNA)

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In seiner ersten Fastenbotschaft hat Papst Leo XIV. die Gläubigen zum Zuhören und zu einem sorgsamen Umgang mit Sprache aufgerufen. In der Botschaft erklärt er, das Fasten sei eine konkrete Praxis, die uns für die Aufnahme des Wortes Gottes bereit macht . Zudem sei der Verzicht auf Nahrung eine sehr alte und unersetzliche asketische Übung auf dem Weg der Umkehr. Gerade weil sie den Körper mit einbezieht, lässt sie uns deutlicher das erkennen, wonach wir 'hungern'.
Die Gläubigen, so der Papst sollten auf Worte, die unsere Mitmenschen verletzen und kränken, verzichten. Konkret forderte er:
Beginnen wir damit, unsere Sprache zu entwaffnen, indem wir auf scharfe Worte, voreilige Urteile, schlechtes Reden über Abwesende, die sich nicht verteidigen können, und Verleumdungen verzichten. Bemühen wir uns stattdessen, unsere Worte besser abzuwägen und Freundlichkeit zu pflegen: in der Familie, unter Freunden, am Arbeitsplatz, in den sozialen Medien, in politischen Debatten, in den Medien, in den christlichen Gemeinschaften. Dann werden viele Worte des Hasses Worten der Hoffnung und des Friedens weichen.
Bischof sieht Nachbesserungsbedarf bei katholischer Friedensethik
Kriege wie in der Ukraine werden längst nicht mehr nur auf einem klar umgrenzten Schlachtfeld ausgefochten. Nicht nur deswegen braucht es nach Ansicht von Militärbischof Overbeck einen neuen Blick auf die Friedensethik.
Berlin/München (KNA) 16.02.2026
Angesichts von Drohnenkriegen und Cyberwar sieht der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck Nachbesserungsbedarf bei der katholischen Friedensethik.
„All die Grenzen, die wir für klar hielten, werden hinterfragt , sagte der Bischof von Essen. Um beim Militär und der dort eingesetzten Technologie zu bleiben: Nötig ist ein höheres Reflexionsniveau, damit die Soldatinnen und Soldaten wissen, was getan und was vor allen Dingen gelassen werden muss. Beispielhaft erläuterte Overbeck die Herausforderungen am Beispiel des Ukraine-Krieges. Als Russland vor vier Jahren die Ukraine überfiel, haben wir zunächst Grabenkämpfe und den Einsatz von Panzern gesehen, wie wir das aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg kannten. Inzwischen befinden wir uns in einem Drohnenkrieg, der aus der ganzen Ukraine ein Schlachtfeld macht. Hinzu kommt die Ausweitung des Krieges in die digitale Welt.
Zugleich hob der Bischof die Errungenschaften der katholischen Friedensethik hervor, deren Wurzeln ins 12. Jahr hundert zurückreichen. Aus der Tradition heraus habe es immer ein Recht auf Selbstverteidigung gegeben. Zugleich gilt, dass man alles tun muss, um den Krieg abzuwenden, und dass man während eines möglicherweise stattfindenden Krieges dazu verpflichtet ist, für eine Beendigung dieser Auseinandersetzung Sorge zu tragen, so Overbeck. Zum Begriff des gerechten Krieges haben die meisten heute eine nachvollziehbare innere Distanz, weil im Grunde genommen kein Krieg gerecht sein kann. Aber die Leistung von damals bestand darin, Konflikte einzuhegen. Angesichts der aktuellen Kriege und Konflikte seien zusätzliche Investitionen in die Rüstung unvermeidlich, fügte Overbeck hinzu.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Zugriff Europas auf Waffenarsenale nach dem Zweiten Weltkrieg konkret zur Sicherheit beigetragen hat, zunächst durch Abschreckung gegenüber der Sowjetunion, später gegenüber Russland.
Auf die Frage, ob er es für vertretbar hielte, wenn Kirchenbanken das Geld ihrer Kunden auch in Rüstungskonzernen anlegten, antwortete der Bischof: Man muss an dieser Stelle eine Güterabwägung vornehmen und wissen, mit welchem Ziel die entsprechenden Waffen eingesetzt werden. Dabei ist der Aufbau der Verteidigungsfähigkeit deutlich von bestimmten Rüstungsexporten zu unterscheiden. Aus einer solchen Güterabwägung kommen wir in so hochkomplexen Zeiten nicht heraus. Pazifismus allein könne die Konflikte nicht lösen, sagte Overbeck.
Der Kalte Krieg- bis hin zum NATO Doppelbeschluss der 1980er-Jahre- habe gezeigt, dass letztlich eine zugegeben merkwürdige, aber wirksame Kombination aus Dialog und Aufrüstung dazu beitrug, militärische Eskalationen zu verhindern. Angesichts der neuen Bedrohungen gebe es keine einfachen Antworten. Auch dann nicht, wenn reiner Pazifismus aus bester Absicht auf den Plan tritt.
Militärbischof warnt vor Kürzungen bei der Militärseelsorge
Manche Politiker fordern Kürzungen oder sogar eine Abschaffung der Militärseelsorge. Ein solcher Schritt würde bei Soldatinnen und Soldaten auf Widerstand stoßen, sagt der katholische Militärbischof Overbeck.
Berlin/München (KNA) 16.02.2026
Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck warnt vor Kürzungen bei der Militärseelsorge. „Ich würde behaupten, dass ein solcher Schritt auf Widerstand bei den Soldatinnen und Soldaten stoßen würde“, sagte der Bischof von Essen. „Über 90 Prozent von ihnen nehmen unsere Gespräche und sonstigen Angebote in Anspruch, obwohl nur 50 Prozent aller Soldatinnen und Soldaten getauft sind.“ Zuletzt hatten Politiker von Links und Rechtsaußen sogar eine Abschaffung der Militärseelsorge gefordert.
Mit dem Krieg in der Ukraine kommt eine ganz neue Gefahrenwelt auf uns zu, betonte Overbeck. Das müssen wir intensiv begleiten, nicht nur bei den Soldatinnen und Soldaten, sondern auch bei deren Familien. Die Ängste, möglicherweise in einen Krieg involviert zu werden, steigen und sind nicht von der Hand zu weisen.
Auf die Frage, ob es künftig mehr Militärseelsorger brauche, antwortete der Bischof, diese seien in Konfliktsituationen dringend nötig - zu Hause, aber auch an den Schauplätzen von möglichen Kämpfen, von denen er hoffe, dass sie nicht stattfinden. Entsprechende Vorbereitungen liefen, wohl wissend, dass wir eine Priorisierung der Aufgaben vornehmen müssen angesichts der nicht sehr großen Zahl von Priestern und Pastoralreferentinnen und-referenten, die in der katholischen Kirche für diese Aufgaben zur Verfügung stehen.
Flyer zum Synodalen Weg veröffentlicht
Seit 2019 hat die katholische Kirche in Deutschland auf dem Synodalen Weg nach Antworten auf die gegenwärtige Situation gesucht und Schritte zur Stärkung des christlichen Zeugnisses beraten. In Synodalversammlungen haben mehr als 200 Delegierte Beschlüsse gefasst, um auf die Herausforderungen zu reagieren, vor denen Kirche und Gesellschaft heute stehen. Einen Überblick über die Ergebnisse und Beschlüsse der Synodalversammlungen bietet ein Flyer, der jetzt vom Büro des Synodalen Weges veröffentlicht wurde.
Der Flyer Der Synodale Weg – Beschlüsse und Ergebnisse kann unter
Ramadan und Fastenzeit beginnen diesmal fast am selben Tag
Glücksfall für den Dialog zwischen Christen und Muslimen. Fasten gilt in vielen Religionen als wertvolle geistige Übung. Auch für Christen und Muslime. In diesem Jahr beginnen sie gemeinsam.
Von Christoph Schmidt (KNA)
Bonn (KNA) 16.02.2026
Am 19. Februar beginnt für Muslime der Fastenmonat Ramadan.
Nur einen Tag zuvor, am Aschermittwoch, gehen auch Christen in ihre 40-tägige Fastenzeit bis Ostern.
Für den Dialog zwischen den Religionen ist das ein Glücksfall, der dem islamischen Mondkalender zu verdanken ist. Denn er verschiebt den Beginn des Ramadans jedes Jahr um zehn bis elf Tage nach vorne. Schon seit einigen Jahren haben sich beide Fastenzeiten deshalb überschnitten, doch ein gemeinsamer Start ist äußerst selten.
Christen wie Muslime suchen im Verzicht auf materielle Genüsse die Besinnung auf Gott, ihre jeweiligen Glaubensinhalte und die eigene Spiritualität. Die Zeit der Entbehrung und Buße soll geistige Selbstdisziplin und das Mitgefühl mit Bedürftigen stärken.
Beide Religionen erlauben Ausnahmen für bestimmte Gruppen, so sollen etwa Kranke und Schwangere nicht fasten.
Doch es gibt auch große Unterschiede zwischen Ramadan- und christlichem Fasten.
Während Muslimen an allen 30 Tagen des Monats von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jegliches Essen und Trinken, sogar Rauchen und Geschlechtsverkehr strikt untersagt sind, gilt für Christen vor allem der Fleischverzicht.
Streng geregelt sind in der katholischen Kirche aber nur der Aschermittwoch und der Karfreitag. Für Protestanten herrschen keine speziellen Vorschriften.
Auch deshalb ist das Fasten im christlichen Kontext heute stark individualisiert. Man verzichtet auf Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen oder Social Media. Im Alltag christlich geprägter Länder wie Deutschland spielt die vorösterliche Enthaltsamkeit kaum noch eine Rolle.
Der Ramadan, der mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens endet, hat im Glaubensleben von Muslimen dagegen einen wichtigen Platz. Neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Pflichtgebeten, der Almosengabe und der Wallfahrt nach Mekka ist er eine der fünf Säulen des Islam. In der islamischen Welt kommt das öffentliche Leben tagsüber quasi zum Erliegen. Dafür ist nach dem abendlichen Fastenbrechen (Iftar) auf den oft festlich beleuchteten Straßen umso mehr los; es gibt öffentliche Armenspeisungen und selbst im Fernsehen laufen fromme Sendungen und besondere Unterhaltungsprogramme. Zuhause kommen die Familien zum Iftar-Essen zusammen, am späten Abend versammeln sich Männer zum sogenannten Tarawih-Gebet in den Moscheen- Gemeinschaft wird im Ramadan großgeschrieben.
In Deutschland ist das Fasten über alle kulturellen Grenzen hinweg sehr verbreitet. Etwa drei Viertel der schätzungsweise sechs Millionen Muslime in Deutschland halten sich laut einer Studie ganz oder teilweise an die Gebote des Ramadan.
Aber auch 72 Prozent der Mehrheitsgesellschaft gaben 2025 in einer repräsentativen Forsa-Umfrage an, zwischen Aschermittwoch und Ostern auf Genüsse zu verzichten, meist auf Alkohol, Süßes oder Fleisch- und das, obwohl bekennende Christen inzwischen die Minderheit sind.
Der diesjährige gemeinsame Fasten-Start ist für das interreligiöse Verständnis eine besondere Gelegenheit. Die zeitliche Überschneidung bietet eine willkommene Gelegenheit, einander besser kennen zulernen und den respektvollen, förderlichen Dialog zwischen Christen und Muslimen zu vertiefen.
Darum feiern Menschen jetzt Fasching, Fastnacht oder Karneval
Alte Traditionen und neue Ideen an den buntesten Tagen im Jahr Konfetti, Kostüme, Kamelle: In vielen Regionen herrscht für 5 Tage der Ausnahmezustand. Wer mitfeiert, genießt die Heiterkeit im grauen Winter. Hinter vielen Bräuchen steckt derweil noch mehr.
Von Paula Konersmann (KNA) 28. Januar 2026
Mit der Bezeichnung fünfte Jahreszeit können Rheinländer, Mainzer, Bayern und auch die Basler alle etwas anfangen. Doch der Lokalpatriotismus steckt den Narren im Blut, deswegen feiert jede jecke Region schon namentlich anders: Fasching, Fastnacht oder Karneval.
Das närrische Treiben wirft aber auch darüber hinaus manche Fragen auf.
Woher kommt die Tradition?
Ohne Ostern keine Fastnacht. Denn vor der Fastenzeit galt es einst, Fleisch und verderbliche Lebensmittel- auch Bier- zu vernichten, am besten bei einem großen gemeinsamen Fest.
Die Fastenzeit als Vorbereitung auf das höchste christliche Fest Ostern beginnt am Aschermittwoch (in diesem Jahr am 18. Februar) und dauert vierzig Tage (ohne die Sonntage). Bis heute wird Karneval hauptsächlich in katholisch geprägten Regionen gefeiert.
Wann beginnt die fünfte Jahreszeit?
Die Session wird am 11.11. um 11.11 Uhr eröffnet. Die Gründe für die Vorliebe der Narren für die Zahl Elf sind nicht eindeutig geklärt, aber lassen sich schon im 14. Jahrhundert belegen. Die 11 wird manchmal als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe symbolisieren soll. Ab dem Elften im Elften gibt es Sitzungen mit Tanzgruppen, Reden und Musikbands. Diesen Veranstaltungen sitzt oft ein sogenannter Elferrat vor. Der Höhepunkt wird im Frühjahr beim Straßenkarneval erreicht: Sechs Tage lang, von Donnerstag bis Dienstag, wird mit großen Umzügen und Veranstaltungen gefeiert. Kleinere Umzüge gibt es schon in den Vorwochen.
Und wann ist der Spaß vorbei?
In der Nacht zum Aschermittwoch endet die närrische Zeit- auch das in der Regel nicht sang- und klanglos oder gar still. In Köln etwa wird eine Strohpuppe verbrannt: der Nubbel, als Verantwortlicher für die Ausschweifungen während des Karnevals; in Düsseldorf und am Niederrhein wird der Hoppeditz zu Grabe getragen, in Bonn werden die leeren Geldbörsen im Rhein ausgespült. Auch in der schwäbisch alemannischen Fastnacht gibt es den Brauch, dass die Fasnet- meist in Form einer Strohpuppe- verbrannt wird. Mancherorts fällt auch der Narrenbaum, ein weiteres Symbol für die Fastnacht, den Flammen zum Opfer.
Was bedeuten die verschiedenen Namen?
Die fünfte Jahreszeit hat viele Namen: In Bayern, Österreich und Sachsen ist der Begriff Fasching gebräuchlich. Er leitet sich vom Fastenschank ab, also dem letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. In Teilen Bayerns, Südwestdeutschlands und der Schweiz wird dagegen Fastnacht/Fasnacht gefeiert.
Karneval gibt es vor allem im Rheinland. Das Wort stammt wahrscheinlich vom Mittel lateinischen carne levare, was Fleisch wegnehmen bedeutet.
Ebenso werden die einzelnen Tage unterschiedlich benannt.
Die Fastnachtswoche beginnt im schwäbisch alemannischen Raum mit dem schmotzigen Donnerstag, im Rheinland dagegen mit der Weiberfastnacht und im Harzer Land mit dem Fetten Donnerstag.
Es folgen der Nelkensamstag, der Orchideen- oder Tulpensonntag, der Rosenmontag und schließlich der Veilchendienstag, der auch Fastnachtsdienstag genannt wird.
Welche Unterschiede gibt es zwischen den Regionen?
Im rheinischen Karneval spielen der Straßenkarneval mit kölschem Liedgut und vielfältigen Kostümen eine zentrale Rolle, die manche von Jahr zu Jahr wechseln.
In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht behalten die Träger ihre Masken stets bei.
Oft ist es üblich, sie von Generation zu Generation zu vererben.
Warum verkleidet man sich?
Der Fantasie sind bei den Kostümen kaum Grenzen gesetzt. Ursprünglich spielte die Idee, in eine andere Rolle zu schlüpfen- und damit die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen- eine entscheidende Rolle. Im 19. Jahrhundert ließen sich auf diese Weise Kontakte über Klassen- und Standesgegensätze hinweg knüpfen.
Heute gibt es eher Debatten darüber, welche Verkleidungen noch vertretbar sind: Wann wird es sexistisch oder rassistisch? Wo beginnt kulturelle Aneignung? Sind Verkleidungen als Winnetou oder Old Shatterhand noch okay?
Was hat es mit dem Prinzenpaar auf sich?
Der Prinz ist in vielen Regionen das Oberhaupt der Narren. Er regiert allein, mit einer Prinzessin, einem Zeremonienmeister oder in einem Dreigestirn. Die Analogie zum Adelstitel, die sich auch in einer festlichen Uniform spiegelt, deutet auf die Umkehrung der Verhältnisse hin.
Weihbischof: Kirchen in der Ukraine werden zu Zufluchtsorten
Wärme, Essen, Strom- im vierten Kriegswinter stehen viele Kirchen den Menschen in der Ukraine offen. Ein Geistlicher erklärt, warum das wichtig ist.
Köln (KNA) 28. Januar 2026
Im vierten Kriegswinter in der Ukraine werden Kirchen einem Geistlichen zufolge zu Zufluchtsorten. Zum Beispiel ist unsere Kathedrale in Kiew jetzt Tag und Nacht geöffnet , sagte der griechisch-katholische Weihbischof von Lwiw, Wolodymyr Hruza. Dort kann man sich aufwärmen, es gibt Essen, Internet und man kann sein Handy aufladen. Die Bedeutung darf man nicht unterschätzen: Viele haben Verwandte im Ausland oder in der Ostukraine oder warten auf Nachricht von ihren Männern an der Front. Russland gehe es bei dem Krieg nicht darum, seine Fläche zu vergrößern, sagte Hruza. Stattdessen gehe es um Imperialismus, eine Machtdemonstration in Richtung Europa und um die Weltordnung.
Wenn sich jeder nimmt, was er will, nur aufgrund seiner Stärke, wo führt das hin?, fragte der Weihbischof. Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit und ein Leben in seiner Heimat.
Jesuiten: Geplante Abschiebezentren ethisch fragwürdig
Bei einem Treffen mit EU-Kollegen hat Innenminister Dobrindt seine Pläne für Abschiebezentren konkretisiert: Die Return Hubs sollen außerhalb der EU errichtet werden. Kritik daran kommt auch aus den Reihen der Kirche.
Berlin (KNA) 27.01.2026
Der katholische Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geplanten Abschiebezentren kritisiert. Die Idee sei ethisch höchst fragwürdig, sagte Leiter Stefan Keßler. Menschen würden so als reine Verfügungsmasse betrachtet, die man hin und herschieben könne. Die Schicksale und Bedürfnisse der einzelnen Personen blieben völlig unberücksichtigt. Das ist mit zentralen Werten, für die Europa steht oder zumindest stehen sollte, nicht vereinbar , so Keßler.
Dobrindt hatte am Donnerstag angekündigt, zusammen mit anderen EU-Ländern sogenannte Return Hubs außerhalb der EU zu errichten, um Abschiebungen zu beschleunigen. Eine entsprechende Vereinbarung soll noch in diesem Jahr getroffen werden. Laut Dobrindt wollen sich auch Österreich, Dänemark, die Niederlande und Griechenland beteiligen.
Keßler betonte, es stellten sich zahlreiche rechtliche Fragen- etwa, wer die Verantwortung für konkrete Abschiebe Entscheidungen übernehme. Auch müsse geklärt werden, ob Betroffene sich gerichtlich gegen eine solche Entscheidung wehren könnten.
Rotes Kreuz: Bevölkerung muss in Krisen widerstandsfähiger werden
Mehr Freiwilligendienste und ein neuer Erste-Hilfe-Kurs zum Selbstschutz: Der neue Rot-Kreuz-Präsident Hermann Gröhe fordert einen Kraftakt für Bevölkerungsschutz. Aktuell sei Deutschland schlecht aufgestellt.
Freiburg (KNA) 27.01.2026
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat sich für einen schnellen und professionellen Ausbau des Bevölkerungsschutzes in Krisensituationen ausgesprochen. Wir sind beim Bevölkerungsschutz zu schwach aufgestellt, so dass es eines richtigen Kraftakts bedarf , sagte der neue DRK-Präsident Hermann Gröhe.
Gröhe forderte Konsequenzen wegen der veränderten sicherheitspolitischen Lage und wegen der jüngsten Extremwetterereignisse wie Überflutungen. Er sprach sich für mehr Katastrophenschutzkurse aus. Es gelte, die Widerstandskraft der Bevölkerung zu stärken, etwa durch eine breite Ausbildung in Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten. Menschen müssten lernen, wie sie sich bei Stromausfall oder Extremwetter verhalten müssen, forderte der frühere Bundesgesundheitsminister. Und es müssen um fassend und auf allen Ebenen Fähigkeiten im Bevölkerungsschutz ausgebaut und entsprechende Einrichtungen verbessert werden. Hier besteht ein ganz erheblicher Nachholbedarf.
Eindringlich sprach sich Gröhe auch für die Förderung von ehrenamtlichem Engagement im Katastrophenschutz aus. 90 Prozent der Einsätze im Bevölkerungsschutz würden derzeit von Ehrenamtlichen getragen. Wichtig sei, so Gröhe, die Freiwilligendienste im sozialen Bereich und im Bevölkerungsschutz zu stärken und auch besser zu bezahlen, um dadurch unsere Widerstandskraft für den Krisenfall zu stärken.
Ministerin: Deutschland muss in Entwicklungszusammenarbeit vorangehen
Die Entwicklungszusammenarbeit soll trotz harter Einschnitte gestärkt werden. Dabei setzt Ministerin Alabali Radovan auf strategische Allianzen, klar benannte Interessen und eine konsequent wertebasierte Politik.
Frankfurt/Berlin (KNA) 23.01.2026
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) will die Entwicklungszusammenarbeit mit der EU und weiteren Partnern stärken. Als Bundesregierung senden wir ein klares Signal: Deutschland bleibt verlässlicher Partner und steht zur regelbasierten Weltordnung, sagte sie. Klar sei allerdings auch, dass der Rückzug der USA aus der internationalen Kooperation kaum zu kompensieren sei- weder allein von Deutschland noch von der EU. Ihre Reformvorhaben seien jedoch eine passende Antwort. Die Einschnitte sind hart, aber notwendig, sagt Alabali Radovan.
In dieser Hinsicht verteidigte die Ministerin auch strategische Allianzen mit Golfstaaten. Es geht um punktuelle Zusammenarbeit entlang gemeinsamer Interessen, etwa beim Wiederaufbau in Gaza oder auch in Syrien. Man müsse mit allen ins Gespräch kommen, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit einsetzten. Insgesamt sollten deutsche Interessen klarer benannt werden.
Was Militärseelsorge leistet- neue Studie zeigt hohe Zustimmung
Positiver Einfluss und große Wertschätzung auch bei Konfessionslosen
Trotz Distanz vieler Soldaten zur Kirche: Eine neue Studie zur Militärseelsorge zeigt eine breite Akzeptanz in der Bundeswehr. Die Ergebnisse der mehrjährigen Studie und Befragung von 7.000 Soldaten im Überblick.
Von Karin Wollschläger (KNA) 23.01.2026
Was kann und was leistet die Militärseelsorge? Unter dieser Leitfrage hat das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland rund 7.000 Soldatinnen und Soldaten in einer repräsentativen Umfrage zu Religion und Seelsorge in der Bundeswehr befragt. Insgesamt zeigt sich, dass die Militärseelsorge trotz gesellschaftlicher Säkularisierungstendenzen in den Streitkräften eine enorme Akzeptanz genießt- auch bei konfessionslosen Soldaten. Das großangelegte Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr lief von 2019 bis 2023. Nun ist der Auswertungsband erschienen.
Laut Studie befürworten 91 Prozent der Soldatinnen und Soldaten die Militärseelsorge im Grundbetrieb vor Ort und 95 Prozent bei Auslandseinsätzen. Diese hohen Werte seien stabil und hingen nur bedingt von der persönlichen Religiosität ab. Gut die Hälfte der Befragten hat Angebote der Militärseelsorge bereits in Anspruch genommen und würde dies auch wieder tun. Rund 30 Prozent gaben an, dass die Militärseelsorge ihre Einstellung zu Religion und Kirche positiv beeinflusst habe.
Mit Blick auf die religiöse Ansprechbarkeit zeigt sich: Sowohl ältere als auch die jüngsten Soldaten (unter 20 Jahren) sind hier besonders offen. Es zeigt sich ferner, dass Gottesdienste, die von der Militärseelsorge angeboten werden, für die große Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten einer der wenigen oder auch der einzige Berührungspunkt mit den institutionalisierten Formen von religiöser Praxis sind.
Vor allem im Einsatz wird das Angebot häufig angenommen und auch anderen weiterempfohlen. Insgesamt werden Angebote für einsatzbelastete Soldatinnen und Soldaten und deren Familien mit 64 Prozent am häufigsten empfohlen.
Trotz der von den Befragten mehrheitlich signalisierten religiösen Distanz geben viele auf Nachfrage an, persönliche Schutzrituale zu praktizieren oder Gegenstände als Glücksbringer oder Talismane bei sich zu tragen. Dazu zählen etwa kleine Figuren von Schutzpatronen oder Engeln, Rosenkränze oder Gebetsketten. Diese werden laut Studie besonders gern von katholischen Seelsorgern verschenkt. Bei Soldatinnen sind Tattoos mit spiritueller Bedeutung als Schutzzeichen verbreitet.
Es zeigt sich ferner, dass die Akzeptanz für religiöse Pluralität in der Truppe höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Allerdings sinkt sie mit zunehmenden Auslandseinsätzen, ab fünf Einsätzen signifikant. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dort erlebte Konfrontationen und mögliche moralische Verletzungen Ursachen dafür sind- darauf einzugehen, sei eine Aufgabe, bei der sich auch die Militärseelsorge einbringen solle, so die Studie.
Militärseelsorgerinnen und-seelsorger werden laut Befragung vor allem als unabhängige Ratgeber und Vertrauenspersonen wahrgenommen, wobei ihre Stellung außerhalb der militärischen Hierarchie und die absolute Verschwiegenheit für 95 Prozent der Befragten zentral sind.
Den verpflichten den Lebenskundlichen Unterricht (LKU), den die Seelsorger anbieten, halten 77 Prozent der Befragten für wichtig, wobei längere Seminarformate mit Übernachtung die höchste Zufriedenheit (86 Prozent) erzielen.
Die Studie nahm auch die generelle Wertorientierung der Bundeswehrangehörigen in den Blick. Demnach gibt es keine Hinweise auf eine Sonderethik. Allerdings ist ihnen Selbstverwirklichung deutlich wichtiger als dem Bevölkerungsdurchschnitt, ebenso die Orientierung, etwas im Beruf zu leisten.
Gerade für die jüngeren Befragten haben Fleiß und Ehrgeiz hohe Priorität. Sehr wichtig sind den Soldatinnen und Soldaten auch Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Der Glaube an Gott ist für die Älteren von erheblich größerer Bedeutung als für die Jüngeren. Insgesamt aber habe der Glaube an Gott als Wertorientierung für die Soldatinnen und Soldaten eine noch geringere Bedeutung als für die Gesamtbevölkerung. Bei den Wertorientierungen zeigen sich kaum Unterschiede in Bezug auf Geschlecht, Dienstgrad oder Alter. Auch eine zunehmende Einsatzerfahrung habe- entgegen nahe liegenden Annahmen- nach den vorliegenden Analysen keinen erkennbaren Einfluss darauf.
Die Studie bilanziert: Als Kirche unter den Soldatinnen und Soldaten leiste die Militärseelsorge einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Integration und zur ethischen Orientierung im Sinne des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform. Besonders im Einsatz, wo die Streitkräfte mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert sind, gewinnt sie zusätzlich an Bedeutung.
Für die Zukunft werde entscheidend sein, ob die Kirchen das notwendige Personal bereitstellen können und die Bundeswehr die notwendigen Freiräume für diese besondere Form der Seelsorge dauerhaft sichere.
Helfer kritisieren geplante Umstrukturierung im Auswärtigen Amt
Das Auswärtige Amt soll umgebaut werden. Ein großer Punkt: Ausrichtung von Partnerschaften stärker an Deutschlands Interessen. Hilfsorganisationen warnen, was das für das Ansehen der Bundesrepublik in der Welt bedeutet.
Bonn/Berlin (KNA)
Hilfsorganisationen äußern sich besorgt über die geplanten Umstrukturierungen im Auswärtigen Amt. Dass die bislang eigenständige Abteilung für Krisenprävention, Friedensförderung und humanitäre Hilfe nun offenbar aufgelöst werden solle, berge das Risiko von Kompetenzverlust und Verzögerungen, warnte der Generalsekretär der Organisation Help, Thorsten Klose-Zuber, am Mittwoch. Nach den bereits massiven Kürzungen im humanitären Budget sendet dieser Schritt ein zusätzliches, fatales Signal: Humanitäre Hilfe könnte stärker an strategischen Interessen ausgerichtet werden. Zuvor hatten Medien am Dienstag über die Pläne von Außenminister Johann Wadephul (CDU) berichtet. Demnach soll das Auswärtige Amt grundlegend umgebaut werden. Unter anderem werde die Steuerung von humanitärer Hilfe, Krisenprävention und Friedensförderung nun an die jeweiligen Länderreferate gehen, statt wie bisher in einer eigenen Abteilung gebündelt zu sein. Alle weiteren Kompetenzen der aufgelösten Einheit gingen an die Abteilung für Internationale Ordnung, die auch für UN-Angelegenheiten und Menschenrechte zuständig ist. Laut Wadephul gehe es auch darum, Deutschlands Partnerschaften stärker an Interessen auszurichten.
Auch das Hilfswerk Care blickt kritisch auf die Pläne. Wenn das Prinzip 'Hilfe nach dem größten Bedarf' aufgegeben wird, bedeutet das: Wer Hilfe bekommt, wird nicht mehr danach entschieden, wer sie am dringendsten braucht und am meisten leidet, sondern danach, was uns politisch nützt , er klärte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Es sei abzusehen, dass sich durch die Verwaltungsumstellung viele Entscheidungen im Bereich der humanitären Hilfe um Monate verzögerten. Diese Zeit haben Menschen in Krisen und Konflikten nicht , betonte Zentel.
Erzbischof gegen Ukraine-Friedensplan- Kompromisse erforderlich
Der 28-Punkte-Plan der USA für Frieden in der Ukraine erfährt in Europa deutliche Ablehnung. Auch die Deutsche Kommission Justitia et Pax lehnt ihn nun deutlich ab. Gleichzeitig ist klar: Ohne Kompromisse geht es nicht.
Bonn (KNA)
Die Deutsche Kommission Justitia et Pax hat den von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plan für Frieden in der Ukraine zurückgewiesen. Der Plan in seiner derzeitigen Form bedeutet sicherlich nicht mehr Sicherheit für die Ukraine aber auch nicht für Europa, erklärte der Kommissions Vorsitzende Erzbischof Udo Markus Bentz am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Stattdessen lese er sich wie ein russischer Versuch, die eigenen Gewinne zu sichern und die Ausgangsposition für zukünftige Attacken zu verbessern. Der Paderborner Erzbischof betonte, dass grundsätzlich alle Bemühungen für einen Frieden in der Ukraine zu begrüßen seien. Auch würden dafür sicher schmerzhafte Kompromisse erforderlich sein. Dennoch müsse jeder Friedensplan die legitime Selbstbestimmung, territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit des Landes sicherstellen. Alles andere wäre ein ungerechter Friede auf dem Rücken der ukrainischen Bevölkerung, sagte Bentz. Das wäre nicht nur politisch kurzsichtig, sondern auch ethisch untragbar.
Der Erzbischof sieht nun vor allem die europäischen Staaten in der Pflicht, sich stärker einzubringen. Gleichzeitig fordert Bentz, den Frieden auch mit Strafverfolgung abzusichern. Für schwere Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht darf es keine Amnestie geben. Kriegsverbrechen müssen aufgeklärt, dokumentiert und strafrechtlich verfolgt werden. Erfolge diese juristische Aufarbeitung nicht, könne keine Friedensordnung entstehen und es drohe neue Gewalt.
Ostbeauftragte: Brauchen Kirchen- stabilisierend für Gesellschaft
Kirche als stabilisierendes Netz in unsicherer Zeit: Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, lobt die Kirchen für besondere Eigenschaften. Was sie über Glauben, Werte und politische Verantwortung sagt.
Berlin (KNA)
Die Kirchen tragen nach Ansicht der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), entscheidend zu demokratischer Stabilität bei und stiften Gemeinschaft jenseits von Diskursblasen. Ich beobachte, wie stabilisierend kirchliche Netzwerke auch heute noch sein können. Als Arbeitgeber im sozialen Bereich der Pflege oder der Betreuung ist die Kirche nicht wegzudenken. Und sie stiftet Gemeinschaft , sagte Kaiser beim Jahresempfang der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in Berlin. Zudem dankte sie den Kirchen, dass sie klar auf der Seite der Demokratie stünden: Sie werden so dringend gebraucht. Außerhalb von Familienverbänden fällt mir kein anderer Ort ein, an dem alle Generationen so regelmäßig zusammenkommen und Gemeinschaft erleben. Rund um den Gottesdienst treffen Menschen aufeinander, die im normalen Leben eigentlich kaum Berührungspunkte miteinander haben, führte Kaiser aus. Das sei besonders wichtig in einer Zeit, in der man sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch aus Sorgen machen müsse. Die lebendigen, diskursfreudigen Kirchgemeinden sind ein ganz wichtiger Bestandteil unserer lebendigen Demokratie. Ich möchte Sie ermutigen, auch weiterhin diese Kontroversen nicht zu scheuen.
Der 9. November ist der deutscheste aller Tage des Jahres
Sternstunden und Tiefstpunkte Novemberrevolution, Hitlerputsch, Novemberpogrome und Mauerfall: Der 9. November wird als Schicksalstag der Deutschen bezeichnet. Der Bundespräsident will über diesen Tag und die Demokratie reden.
Von Christoph Arens (KNA) Berlin (KNA)
Er ist der wohl deutscheste aller Tage des Jahres. Wenn die Deutschen am 9. November auf ihre Geschichte zurückblicken, schauen sie auf absolute Tiefpunkte, aber auch auf Sternstunden.
Der 9. November- ein Schicksalstag, an dem sich deutsche Geschichte verdichtet und in ihren Widersprüchen deutlich wird: Da ist der Fall der Mauer 1989. Endlich mal eine geglückte und friedliche Revolution- der glücklichste 9. November in der Geschichte der Deutschen. Weil die DDR Bürger an diesem Tag letztlich den Weg zur Wiedervereinigung frei machten, war dieser Gedenktag zeitweilig sogar als Nationalfeiertag des vereinigten Deutschland in der Diskussion.
Doch ein freudiger Gedenktag hätte daraus nie werden können. Denn am 9. November fiel nicht nur die Mauer. Der Tag markiert auch eine der dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte, den Absturz eines kulturell vermeintlich hoch stehenden Landes in die Barbarei: Am Abend des 9. November 1938 vollzog sich in Deutschland der bis dahin größte Judenpogrom der Neuzeit in Mitteleuropa. Mehr als 1.300 Menschen starben; mehr als 1.400 Synagogen und Beträume im gesamten Deutschen Reich wurden verwüstet und etwa 7.500 Geschäfte geplündert. Über 30.000 männliche Juden wurden in Konzentrationslager gebracht.
Ein Zivilisationsbruch: Von den Novemberpogromen, der sogenannten Reichskristallnacht, führte der Weg nach Auschwitz, Treblinka und Buchenwald.
Neben der Erinnerung daran steht aber auch ein anderer Moment der deutschen Geschichte: die Novemberrevolution, das Ende der Monarchie und die Ausrufung der Republik in Berlin am 9. November 1918.
Dieser Tag, an dem der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Berliner Reichstagsgebäude aus die Republik ausrief, gilt als die Geburtsstunde der parlamentarischen Demokratie in Deutschland.
Doch mit diesen Meilensteinen der Geschichte ist der 9. November noch nicht ausreichend als Gedenktag beschrieben. Am 9. November 1923 brach der sogenannte Hitlerputsch gegen die demokratische Reichsregierung in München kläglich zusammen.
Ebenfalls am Vorabend des 9. November, diesmal 1939, scheiterte auch der geplante Bombenanschlag des Handwerkers Georg Elser auf Hitler. Er hätte womöglich den Zweiten Weltkrieg noch verhindern können.
Weithin verschwunden aus der Gedenkkultur ist der 9. November 1848. Die standrechtliche Hinrichtung des republikanischen Parlamentsabgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, Robert Blum, nach dem Oktoberaufstand in Wien bedeutete eine offene Kampfansage der Vertreter der Monarchie gegen das aus der bürgerlichen Märzrevolution hervorgegangene erste demokratisch gewählte gesamtdeutsche Parlament. Die Hinrichtung Blums markierte einen entscheidenden Wendepunkt: den Anfang vom Ende dieser Revolution.
Sturm kommt auf - ZDF-Zweiteiler über das Aufkommen des Nationalsozialismus
Wie eine Dorfgemeinschaft zerfällt und wie der Faschismus in die bayerischen Dörfer kam: Davon erzählen 180 spannende, anrührende und präzise in Szene gesetzten Filmminuten nach einem Roman von Oskar Maria Graf.
Von Katharina Zeckau (KNA) Mainz (KNA)
Sich nicht einlassen oder einmischen, weder für noch gegen jemanden sein, nichts von anderen wollen, aber auch niemandem ein Unrecht tun, sich raushalten: Das ist die Devise des Schusters, wie er in leichten Variationen immer wieder erklärt. Dieser Kraus ist der Friedfertige in Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“ von 1947, den Drehbuchautorin Hannah Hollinger und Regisseur Matti Geschonneck nun fürs Fernsehen adaptiert haben.
Der Zeitpunkt scheint leider recht passend, erzählt der Zweiteiler „Sturm kommt auf“ doch davon, wie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Gift des Faschismus in eine (Dorf-)Gemeinschaft einsickert.
Das ZDF strahlt die zwei 90-Minüter am 10. November zwischen 20.15 und 21.45 Uhr sowie 22.00 und 23.30 Uhr aus.
Das, was der Schuster ablehnt, nennt er mit einem wohl selbst erfundenen Wort A-bopa: Damit meint man alles, was einem rechtschaffenen Menschen das Leben verbittern kann... Mit einem Wort, die ganzen Widerwärtigkeiten vom Staat, von den Ämtern, vom Gericht und der Polizei- das ist A-bopa... Auf so was muss man sich nicht einlassen, so erklärt er es im Roman der sonntäglichen Dorfrunde. Und klingt dabei fast ein wenig wie ein heutiger Staatsverweigerer, Reichsbürger oder ähnlich Verirrter. Doch im Unterschied zu diesen hat der Schuster bereits mit tödlicher Konsequenz am Leib seiner eigenen Familie erlebt, wie Vertreter einer- wohlgemerkt autoritären und undemokratischen- Staatlichkeit sowie eine entsprechend sozialisierte Gesellschaft mit Minderheiten umgehen.
Allzu lange kann der Kraus, hervorragend gespielt vom österreichischen Kabarettisten und Schauspieler Josef Hader, das mit dem Sich-Raushalten ohnehin nicht durchhalten: Die Unruhe der Zeitläufte zwischen Erstem Weltkrieg und der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist letztlich einfach stärker. Ebenso wie das Gift der politischen Debatten, die jegliches Maß verloren haben: Es verschont kaum eine zwischenmenschliche Beziehung und fällt bei durch existenzielle Not, finanzielle Sorgen, Kriegstraumata, Propaganda oder Service auch einfach Gier verhärteten Menschen auf empfänglichen Boden. Sturm kommt auf erzählt davon, wie eine keineswegs konfliktfreie, aber funktionierende Dorfgemeinschaft zerfällt.












