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Militärhistoriker Neitzel fordert Umdenken gegenüber Militär

KNA


Quelle: Pixabay

Der Potsdamer Militärhistoriker Sönke Neitzel fordert angesichts des Kriegs in der Ukraine ein Umdenken von Politik und Gesellschaft gegenüber Sicherheitspolitik und Bundeswehr.

Die Sicherheitspolitik sei in Deutschland seit 30 Jahren bewusst vernachlässigt worden, sagte er. Alle Parteien und die dazugehörigen intellektuellen Milieus müssten jetzt ihre Hausaufgaben machen und ihr Verhältnis zur Bundeswehr kritisch überprüfen. Auch die Haltung von Institutionen wie etwa Universitäten sollte sich seiner Ansicht nach ändern. „Militärhistorische Forschung, wie ich sie betreibe, ist im universitären Raum verpönt.“

Der Historiker beklagte eine fehlende Anerkennung für Sicherheitspolitik. Zwar habe die Mehrheit der Bevölkerung die Bundeswehr - von Adenauers Wiederbewaffnung bis zum Nato-Doppelbeschluss - immer mitgetragen. Die politischen Eliten aber hätten eine wachsende Distanz zum Militär aufgebaut. „Wenn in Ihrem politischen Referenzrahmen die Möglichkeit eines Krieges nicht mehr vorkommt, dann steht am Ende eben eine mangelhafte bis ungenügende Verteidigungsfähigkeit“, sagte Neitzel. „Genau das ist uns passiert. Mit diesem Krieg haben die politischen Eliten der Bundesrepublik nicht gerechnet.“

Aus Sicht des Militärhistorikers war die Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten ein innenpolitisches Projekt, mit einer außenpolitischen Dimension. Die Armee sollte gesellschaftspolitisch verträglich sein, etwa durch Einsätze bei der Oderflut oder der Flutkatastrophe im Ahrtal. „Es wurde, aus nachvollziehbaren Gründen, viel über Rechtsextremisten in der Bundeswehr geredet. Aber viel zu wenig über ihre Wehrbereitschaft und militärische Leistungsfähigkeit.“

 

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