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Friede ist allezeit in Gott, denn Gott ist Friede - 2. Militärwallfahrt nach Flüeli-Ranft

GKS / Schweiz / 2021

Deutsche PilgergruppeDeutsche Pilgergruppe
Bildquelle: KS Norbert Stäblein

Nikolaus von Flüe oder Bruder Klaus – mit diesem Namen kann wirklich jeder Schweizer etwas anfangen. Immerhin ist dieser Mann der Nationalpatron der Eidgenossenschaft. Einem Deutschen sagt dieser Name zunächst einmal nichts oder wenig.

Deshalb war ich gespannt als ich die Einladung zur 2. Militärwallfahrt nach Flüeli-Ranft vom Katholischen Militärbischofsamt erhalten habe, was konkret mich da erwarten würde. Die Marschrichtung war klar und bereits in der Einladung ausgegeben: Da die Lourdes-Wallfahrt zweimal ausfallen musste, wollten die Schweizer einen Ersatz schaffen und trotz der bekannten Umstände eine Friedenswallfahrt durchführen. Ganz im Sinne des Geistes von Lourdes.

Deshalb begaben sich vom 20. – 22. August insgesamt 12 Deutsche, auch ich als Vertreter ein Vertreter des Katholikenrates und ich als Vertreter der GKS in den Kanton Obwalden – einem der drei Gründungskantone der Schweiz.

Bereits auf der 13 Stunden langen Busfahrt merkte man die Vorfreude auf diese Wallfahrt. Und wir beteten unter anderem die Vesper im Bus, dies kurz nach Grenzübertritt in die Schweiz. Angekommen in Flüeli wurden wir von den Gastgebern herzlich willkommen geheißen, auch aufgrund vorheriger gemeinsamer Begegnungen in Lourdes. So entstand eine äußerst freundliche Atmosphäre, ganz so wie man es von der Schweizer Gastfreundschaft gewohnt ist.

Am Samstag stand dann die eigentliche Wanderung an. Von Flüeli, der Wohn- und Wirkungsstätte des Heiligen Nikolaus von Flüel hinunter nach Sachseln, wo der Nationalheilige heute in einer wunderschönen Pfarrkirche aufgebahrt ist.

Bildquelle: KS Norbert Stäblein

Bevor wir die Wanderung begangen, gab uns der Kommandeur der Territorialdivion 2, Zwei-Sterne-General Daniel Keller wichtige Worte mit auf den Weg. Er ist der Ansicht, dass eine Wallfahrt wie wir sie vorhatten, im Angesicht der Lektionen des Corona-Einsatzes in ein neues Licht gerückt wurden. Denn oberste Aufgabe eines jeden Vorgesetzen sei es nun mal „sich zu kümmern, bevor es Kummer macht.“ Jeder, ob Vorgesetzter oder nicht, müsse „für die Seele Sorge tragen“. Zuerst für sich, dann für andere. Das sei auch die Aufgabe von Militärseelsorge. Und deswegen war es für ihn so wichtig, dass diese Pilgerreise stattfinden konnte.

Auf dem Weg 150m Höhenmeter hinab von Flüeli nach Sachseln lernten wir an verschiedenen Stationen etwas über das Leben und Wirken des Nikolaus von Flüe – oder Bruder Klaus, dem Namen unter dem er auch bekannt ist.

Und als ob es gottgewollt war, spielte die Zahl 7 in seinem Leben eine große Rolle: Geboren 1417, verstorben 1487, heiratete er erst 1447 seine Frau Dorothea. Mit dieser hatte er 10 Kinder und die beiden führten eine glückliche Ehe, dennoch entschied sich Nikolaus aber dem Ruf Gottes zu Folgen – 1467. Was für eine beeindruckende Frau muss Dorothea gewesen sein, ihren Mann ziehen zu lassen, so dass er sich ganz Gottes Werk hingeben konnte!

Weit ging Bruder Klaus, wie er ab dem Zeitpunkt genannt wurde, allerdings nicht. De facto lebte er in einer Klausel in der Schlucht 300m weiter in Askese. Er ernährte sich beispielsweise nur von der Heiligen Kommunion und Wasser. Blieb aber trotz seiner asketischen Lebensweise für die weltlichen und politischen Dingen seiner Zeit offen.

Bruder Klaus war für die politischen Entscheider in der Schweiz ein gerne aufgesuchter Ratgeber und beeinflusste durch seine Weisheit und die von Gott gesandten Ratschläge die Geschicke der Schweiz trotz der Askese maßgeblich mit. So wies er immer wieder in diesen Ratschlägen auf den Frieden Gottes hin, den die Mächtigen seiner Zeit sicherzustellen hätten. Eines seiner Zitate, welches die Überschrift dieses Berichtes bildet, belegt seine Aufrufe zum Frieden.
Friede ist allezeit in Gott, denn Gott ist Friede

So machte es denn auch Sinn, warum wir während einer Militärwallfahrt, die unter dem Versöhnungs- und Friedensgedanken von Lourdes stand, ausgerechnet den Spuren dieses Mannes gefolgt sind. All diese Dinge machen diesen Heiligen, von dem ich anfangs noch nichts wusste, zu einer solch faszinierenden und beeindruckenden Person. Durch sein Handeln wurde er trotz der erst sehr späten Heiligsprechung 1947 (da haben wir die Zahl 7 wieder!), schon früh als Patron der ganzen Schweiz verehrt, aber auch beispielsweise der Schweizer Garde in Rom. Allein diesen beeindruckenden Mann kennenzulernen und an seinen Wirkungsstätten zu sein, hätte der Wallfahrt das Prädikat „gelungen“ eingebracht.

Doch die Schweizer Gastgeber setzen noch einen drauf und fuhren uns auch noch auf die Äggli-Alp – den Mittelpunkt der Schweiz. Hier machten wir mit dem Weihbischof von Lausanne, Genf und Fribourg, Alain de Raemy, der auch der Beauftragte der Schweizer Bischofskonferenz für das Militär ist, eine zweistündige Bergwanderung rund um diesen Mittelpunkt. Bei fast 30 Grad und praller Sonne hätte ich mir denkbar schlechtere Aktivitäten ausmalen können. Denn auch diese Wanderung war eine kleine persönliche Pilgerreise für jeden Einzelnen.

Den Abschluss des Samstages bildete dann, ganz in der Tradition der Lourdes-Wallfahrt, eine Lichterprozession hinab in die Schlucht und an der Klausel vorbei, wo Bruder Klaus die letzten 20 Lebensjahre gelebt und gewirkt hat. Das war äußerst beeindruckend, erzeugte eine wahrhaft besinnliche Atmosphäre und verlieh zumindest meinen Gebeten noch mehr Nachdruck.

Nachdem wir am Sonntagmorgen mit Weihbischof de Raemy noch die Heilige Messe feierten, inklusive Präsenz der Schweizer Garde, und dem obligatorischen Gruppenfoto, ging es auch schon - leider - auf die Heimreise.

Abschließend lässt sich sagen: Flüeli ist ein echter Geheimtipp, sowohl landschaftlich als auch spirituell. Aber auch zwischenmenschlich war diese Pilgerreise ein absoluter Gewinn nach der langen Zeit der Lockdowns und Risikogebiete.

Und ich kann jedem Leser nur empfehlen, sich mit Nikolaus von Flüe auseinanderzusetzen. Auch über 500 Jahre nach seinem Tod hat dieser Mann meiner Meinung nichts von seiner Faszination verloren.

Sebastian Kaup

 

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