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Aufarbeitung von Afghanistan-Einsatz gefordert


Von Paula Konersmann (KNA)

Flagge Afghanistan

Der Ruf nach einer Aufarbeitung des Einsatzes in Afghanistan wird lauter. „Es braucht jetzt eine Reflexion, damit so etwas nicht mehr passieren kann“, sagte der katholische deutsche Militärbi-schof Franz-Josef Overbeck am Samstag dem Portal katholisch.de .

Auf die Frage, was bei der Debatte über den 20 Jahre währenden Einsatz berücksichtigt werden müsse, antwortete der Militärbischof: Erstens: Wenn man etwas anfängt, soll man an das Ende denken - das muss sehr viel klarer politisch und militärisch bedacht werden. Zweitens gelte es zu versuchen, mit möglichst wenig Waffengewalt Interventionen auf den Weg zu bringen.

Die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) forderte eine kritische, ehr-lich und möglichst unabhängige Bilanz vom Deutschen Bundestag. Dies solle in einer kritischen Ge-denkkultur münden, erklärte die Friedensinitiative bei ihrer Mitgliederversammlung in Wetzlar. Deutschland solle künftig Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen und Abschiebungen in das Land vorerst aussetzen. Darüber hinaus müssten die internationalen Kampfeinsätze der Bundeswehr beendet werden.

Ein Ende der Auslandseinsätze der Bundeswehr forderte auch die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen. In den betreffenden Regionen brauche es mehr Investitionen in Bildung und Ge-sundheit, statt weiterhin sinnlos Milliarden Euro in Militär-Abenteuern zu verpulvern, erklärte sie in Berlin.

Flüchtlingshelfer riefen unterdessen zu Spenden für Afghanistan auf. „Für die Finanzierung des lebensrettenden Einsatzes der UNO-Flüchtlingshilfe sind rund 410 Millionen US-Dollar nötig“, sagte der Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Bislang seien erst 42 Prozent des finanziellen Bedarfs gedeckt. Es gehe nicht nur um die akute Nothilfe, sondern auch um die Fortsetzung bestehender Projekte für Mädchen oder im Bereich Bildung. Die Arbeit dort ist notwendig.

Bischof Overbeck führte weiter aus, er hoffe auf Gesprächskanäle zu den Taliban. Die Islamisten hätten daran möglicherweise selbst ein Interesse - selbst wenn es aus der Not heraus ist, der Kom-plexität der Lage gerecht zu werden, nämlich Menschen zu sättigen, für Ordnung und eine Infra-struktur zu sorgen. Für Hilfsorganisationen sei die Lage schwierig, räumte der Bischof von Essen ein. Er habe jedoch in den vergangenen zehn Jahren bei seinen Besuchen im Afghanistan immer sehr seriöse muslimische Autoritäten getroffen. „Ich hoffe, dass das ein Zeichen dafür ist, dass wir sol-che Wege einfach immer weiter beschreiten - manchmal auch wider alle Hoffnung und wider alle sichtbaren Zeichen, die von der anderen Seite kommen. Die Staatengemeinschaft dürfe das Land nicht aufgeben, mahnte Overbeck. Eine sichtlich auf eine Hungerkatastrophe zusteuernde Gesell-schaft brauche Hilfe. Gleichzeitig muss auch weiterhin alles getan werden, was notwendig ist, um den Kräften zu helfen, die aufgrund ihrer Nähe zu den Bündnistruppen von Verfolgung und Tod bedroht sind. Schließlich gelte es, weiterhin eine öffentliche Stimme dafür zu erheben, dass alle Religionen dem Frieden dienen sollen.

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