PRESSEMITTEILUNGEN

Kat-Rat-GKS

Offener Brief an die deutschen Bischöfe
zur Klärung ihrer Haltung zum soldatischen Dienst

Katholische Soldatinnen und Soldaten stellen mit Sorge fest, dass die bisher durch die deutschen Bischöfe formulierten ethischen Richtwerte zum Einsatz in Afghanistan nicht mehr gemeinsam getragen und vertreten werden. Darüber hinaus ist die Sorgfalt bei der Diskussion über eine christliche Verantwortungsethik nicht mehr durchgängig gegeben. Einlassungen des Bischöflichen Präsidenten der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi zeichnen ein Bild, das deutsche Soldatinnen und Soldaten fälschlicherweise zu Besatzungstruppen und Kriegstreibern stempelt und damit bei ihnen zu einer Gewissensbelastung führen könnte.

Wir sind uns bewusst, dass es innerhalb der katholischen Weltkirche auf schwierige, das Gewissen der Menschen belastende Fragen durchaus unterschiedliche Antworten geben kann.

Die Fragen nach den Methoden zur Erhaltung oder Wiederherstellung des Friedens in der Welt und der Anwendung von Gewalt gehören dazu wie die Frage nach dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Mit Blick auf die Anwendung von Gewalt sind wir der Überzeugung, dass die Katholische Kirche in der Gesamtschau der kirchlichen Friedenslehre substantielle Hilfen für eine ethische Urteilsbildung für Soldatinnen und Soldaten bietet.

Die Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe „Gerechter Friede" aus dem Jahr 2000 und „Soldaten als Diener des Friedens" von 2005 geben verlässliche Orientierung.

Katholische Soldatinnen und Soldaten - in den deutschen Streitkräften und in der „Kirche unter Soldaten" verankert - erwarten deshalb von allen Bischöfen, dass in der öffentlichen Diskussion über geeignete, zweckmäßige und ethisch vertretbare sicherheitspolitische Entscheidungen ein hohes Maß an Übereinstimmung besteht. Dazu zählt insbesondere eine völkerrechtlich korrekte Einordnung des soldatischen Dienstes in den internationalen Einsätzen. 

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung und der Folgen, die für das Entscheiden, Handeln und Verantworten einhergehen, halten wir es für notwendig, dass sich der Katholische Militärbischof, der Bischöfliche Präsident von Pax Christi sowie der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax zur ethischen Vertretbarkeit des Dienstes deutscher Soldatinnen und Soldaten in der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) in Afghanistan verständigen und öffentlich äußern.

Die 50-jährige Wiederkehr der Enzyklika „Pacem in Terris", in der Papst Johannes XXIII. am 11. April 1963 sich „an alle Menschen guten Willens" wandte, ist ein würdiger Anlass, den Dienst des Soldaten in die Gesamtschau der Friedenslehre der Katholischen Kirche einzuordnen. Dabei bietet es sich an, während eines Pastoralbesuches von Bischöfen gemeinsam mit dem deutschen Anteil der in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten für den Frieden in der Welt und unter den Menschen zu beten.

KR-GKS