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Soldaten feierten einen Gottesdienst zum Weltfriedenstag

Am 19. Januar 2016 um 09.00 Uhr wurde der 40. Internationale Weltfriedenstag im Hohen Dom zu Köln mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und etwa 1200 Angehörige der Bundeswehr und Streitkräfte der Nachbarstaaten gefeiert.

Im Anschluß an die Heilige Messe folgte der traditionelle Neujahrsempfang des Katholischen Militärdekanats Köln unter Leitung von Militärdekan Rainer Schnettker im nahegelegenen Maternushaus.

20170119 StellvBundesvorsDie Ansprache des Stellv. Bundesvorsitzenden, Hptm Quirin im Wortlaut:

Eminenz,

sehr geehrte Damen und Herren,

zu Beginn meines Grußwortes danke ich Ihnen, Herr Dekan Schnettker, dass Sie an der inzwischen guten Tradition festhalten, der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) die Möglichkeit zu geben, als Vertreter der Laien im Jurisdiktionsbereich des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr einige Worte an Sie zu richten.
Ich spreche in Vertretung unseres Bundesvorsitzenden, Oberst Attermeyer, der heute leider nicht hier sein kann, Sie aber alle herzlich grüßen lässt.
Papst Franziskus hat seine Botschaft anlässlich des diesjährigen 50. Weltfriedenstages mit

„Gewaltlosigkeit – Stil einer Politik für den Frieden“

überschrieben. Er ruft uns Christen auf, über das gewaltfreie Handeln nachzudenken und uns selbstkritisch zu hinterfragen, ob wir alles dafür tun, die zahlreichen gewalttätigen Konflikte in unserer Welt gewaltfrei zu lösen. Zugegebenermaßen scheint diese Botschaft in unseren Zeiten dringend erforderlich, ist die Anzahl der Konflikte in den letzten Jahren doch stets angestiegen. Die Bilder dieser Auseinandersetzungen, ob in Syrien, in Afghanistan, in Mali oder wo auch immer auf dieser Welt, werden uns täglich frei Haus ins Wohnzimmer geliefert.

Müssten uns diese Nachrichten als Bürgerinnen und Bürger eines Landes, das nach zwei Weltkriegen mit unendlichem, durch Deutsche verursachtem Leid, inzwischen mehr als 70 Jahre Friede erlebt hat, nicht innerlich tief berühren und dazu bewegen, uns intensiv mit der Frage nach Gewalt, ihren Ursachen und möglichen Lösungen zu beschäftigen? Leider sieht die Realität anders aus! In weiten Teilen der Bevölkerung werden die Nachrichten und die darin vermittelten schlimmen Bilder aus den Kriegsgebieten und von Terrorangriffen als grausame, aber ferne und uns nur wenig betreffende Realität eingestuft. Der Terroranschlag von Berlin, durch den plötzlich ein Gefühl direkter Betroffenheit bei vielen geschaffen wurde, hat diesbezüglich sicherlich einiges in unserem Land verändert.

Auf allen Ebenen der Gesellschaft von der Politik bis ins private Wohnzimmer wird seitdem das Thema Gewalt, Bedrohung und Terror unter sehr verschiedenen Aspekten und mit sehr gegensätzlichen Ergebnissen diskutiert. Die Rufe nach Maßnahmen mit teilweise einschneidenden Auswirkungen waren und sind nicht zu überhören. Politisch geriet vieles in Bewegung und zum Teil weitreichende Maßnahmen wurden beschlossen.

Auch die Bundeswehr und damit wir Soldaten waren und sind Bestandteil dieser Diskussionen, denn es wird immer wieder die Forderung erhoben, die Streitkräfte auch zur Terrorabwehr im Inland einzusetzen. Die Umsetzung dieser Forderung würde einen großen Eingriff in die bisher praktizierte Aufgabenteilung zwischen Polizei und Bundeswehr bedeuten. Sehr bewusst hatten sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes für diese strikte Aufgabenteilung entschieden.

Zeiten ändern sich, neue Herausforderungen entstehen. Um in ihnen bestehen zu können, bedarf es vielleicht der einen oder anderen Anpassung. Allerdings sollten diese wohlüberlegt und abgewogen sein. Es gilt gerade auch in schwierigen politischen Situationen und in einer Lage, die vielen Menschen in unserem Land zum Teil existenzielle Angst bereitet und großen Druck auf die Politik erzeugt, besonnen zu sein und sich trotz allem die Zeit zu nehmen, die Folgen einer solchen Entscheidung intensiv und parteiübergreifend zu beraten.

Deutschland musste in den vergangenen rund 25 Jahren begreifen und teilweise akzeptieren lernen, dass Streitkräfte grundsätzlich zur Ausübung militärischer Gewalt aufgestellt und ausgerüstet werden. Militärische Gewalt führt häufig dazu, dass Menschen verwundet werden oder sogar sterben müssen.

Wie ist aber dann die Forderung nach Gewaltlosigkeit mit dem Soldatsein zu vereinbaren?

Wenige Menschen wissen so genau wie Soldaten, welche verheerenden Auswirkungen Gewalt, besonders Waffengewalt jeder Art haben kann. Jeder Soldat, jede Soldatin wird deshalb alles daran setzen, den Einsatz von Waffengewalt zu vermeiden.

Allerdings gibt es Situationen, in denen es keine andere Möglichkeit gibt, noch größeres Leid, Ungerechtigkeit und Menschenverachtung zu verhindern, als dieses mit Gewalt zu tun. In diesem Fall halten wir auch den Einsatz militärischer Gewalt für legitim, ja sogar unausweichlich. Die eingesetzte Gewalt dient dann nur dazu, ein neues Zeitfenster zu öffnen, um neue Wege zur gewaltfreien Konfliktlösung zu ermöglichen. Gewalt ist dann immer nur das letzte einsetzbare Mittel, wenn alle anderen zur Verfügung stehenden Mittel versagt haben. Schon aus der Bedingung der ultima ratio wird deutlich, welche hohe Verantwortung dem Einsatz und der Ausübung militärischer Gewalt innewohnt.

Dieser hohen Verantwortung müssen sich alle stellen:

  • Politiker und Politikerinnen der Regierung und der Opposition auf nationaler und internationaler Ebene,
  • kommandierende und ausführende Soldatinnen und Soldaten,
  • Polizistinnen und Polizisten,
  • aber nicht zuletzt auch alle Bürgerinnen und Bürger unseres Staates.

Der Beantwortung der Frage, ob wirklich die Situation des Einsatzes legitimer Gewalt gegeben ist und wenn ja, wie und in welchen Grenzen diese Gewalt dann als ultima ratio eingesetzt wird, diese Frage geht uns alle an. Auch und gerade als Christen! Weil Gewaltlosigkeit der Stil einer Politik für den Frieden ist.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Hauptmann Andreas Quirin,
Stellvertretender Bundesvorsitzender der GKS