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Traditionell findet die Bundeskonferenz im Rahmen der Woche der Begegnung statt und ist damit auch eine gute Möglichkeit, die Arbeit der beiden Säulen des Laienapostolats im Jurisdiktionsbereich des Katholischen Militärbischofs miteinander zu verzahnen.

In diesem Jahr fand die Bundeskonferenz im Rahmen der 56. Woche der Begegnung vom 11.-16. September im Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg statt. Sie stand unter dem Leitwort: „Für die Menschen bestellt“.
Dieses Motto hatten die Organisatoren aus dem Vorstand des Katholikenrates und der GKS dem Wahlspruch des früheren Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Frings ( 1887 – 1978 ) entliehen: Pro hominibus constitutus. Ein solches Leitwort, in einem Haus mit Blick auf Köln, im vom Papst ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit: Eine besondere Herausforderung! So drehte sich die gesamte Woche um das ehrenamtliche Engagement, die Einstellung zu ihm, seine gesellschaftliche Wirklichkeit und Akzeptanz und besonders seine Früchte.

Im Folgenden einige Streiflichter auf die Ereignisse:

Gottesdienst mit dem Militärbischof

Am Anfang der Bundeskonferenz und zugleich fast am Ende der Vollversammlung des Katholikenrates stand der Gottesdienst mit dem Militärbischof. In seiner Predigt ging er der Frage nach, was die Forderung „Für die Menschen bestellt“ in Zeiten des fundamentalen Wandels ganz konkret für die Kirche unter Soldaten bedeutet und stellte dabei besonders heraus, dass Militärseelsorge auf Dauer immer mehr lernen müsse, wie sie mit Soldatinnen und Soldaten lebe, die keine Christen seien oder zu denjenigen gehörten, die bewusst eine andere Religion oder Überzeugung lebten. Eine der großen Aufgaben sei es dabei z.B. der heute gesamtgesellschaftlich vielfältig diskutierten Frage des Zusammenlebens mit muslimischen Gläubigen neue Aufmerksamkeit zu schenken. Hierzu gehöre auch die intensive Beschäftigung mit der Thematik ihrer religiös-seelsorglichen Begleitung im Dienstalltag[1]

Wort des Bischofs -
Aufbruch zur Kirche der Seelsorge

Bild 2 MB beim Vortrag w

„Die Zeiten ändern sich. Auf Dauer ist nichts mehr wie es war.“ ,begann der Bischof seine Rede – und fuhr fort, dass es nicht die Alternative gebe, sich dieser Veränderung entgegen zustellen, sie komme, sie sei schon da, unausweichlich.

Ein ungemütlicher, ein herausfordernder Anfang, denn dieses ernstnehmend, steht alles auf dem Prüfstand, müssen alle liebgewonnenen Alltäglichkeiten, Organisationsformen und Gewohnheiten angeschaut werden. Der so sicher machende Satz: „Das war schon immer so!“, verliert seine Wirkung.
Das Gute sei allerdings, dass wir wüssten, wohin wir aufbrechen müssten, fuhr der Bischof fort: Es gelt ernst zu machen mit dem Aufbruch zur Kirche der Seelsorge, dem großen Auftrag der Kirche. Der Militärbischof nannte dabei 3 Schwerpunkte der Seelsorge, die es gemeinsam zu füllen und zu leben gelte:

  1. Gemeinschaft:
    Gemeinschaft als eine der Ursprungskräfte der Kirche. Seelsorge vor Ort müsse gemeinschaftsoffen und vielfältig gelebt und gestaltet werden, damit an die Gemeinschaftsbedürfnisse der Menschen gut angeknüpft werden könne.
  2. Diakonie:
    Diakonie meine hier den schlichten und einfachen, sehr menschlichen Dienst an denen, die in Not sind und der Hilfe bedürfen. Dies setzte Mut zur Nähe und zu ungewöhnlicher Hilfe, zu einem positiven Blick nach vorne und zu einer großen Wertschätzung für das, was jetzt gerade vor Ort zu bewältigen ist, voraus. Eine solche Kirche der Diakonie lebe vom Dialog.
  3. Gebet:
    Das hörte sich so selbstverständlich an, scheint so klar. Ist aber, wenn wir uns wirklich berühren lassen, eine große Herausforderung.

Manchem war noch lange anzumerken, dass dieses Bischofswort keine leichte Kost war.
Welche Ansprüche stellt es an jeden einzelnen von uns? Welche Ansprüche an die verschiedenen Organisationsstrukturen, welche an die Militärseelsorge insgesamt? Fragen, die klar auf dem Tisch lagen und liegen und jeden von uns zu einer Antwort heraus fordern.

Kurz und knackig zum Lagebericht des Bundesvorsitzenden –
Die GKS in den vergangenen 12 Monaten

Bild 4 Bundesvorsitzender w

Traditionell enthält der Bericht eine Zusammenfassung der Entwicklungen in der GKS der vergangenen 12 Monaten. So hielt es der Bundesvorsitzende auch in diesem Jahr und setzte dabei einige Schwerpunkte, die für die weitere Entwicklung der GKS im nächsten Jahr von besonderer Bedeutung sein werden und hier auch besondere Beachtung finden.

Zu Anfang hob der Bundesvorsitzende die GKS-Akademie Oberst Helmut Korn im November 2015 hervor. Die 54 Dauerteilnehmerinnen und –teilnehmer beschäftigten sich intensiv 5 Tage mir der Leitthematik: „Technisch machbar! – Ethisch möglich?“ Das Ausrufezeichen hinter dem ersten Teil des Titels, dem „technisch machbar!“ versinnbildlicht die Erfahrung, die wir alle täglich machen: Im Prinzip ist jeder Gedanke, der irgendwo gedacht wird, auch technisch umsetzbar. Durch Technik werden Menschheitsträume war, aber auch ihre Alpträume – so hieß es im Vorwort des Akademieprogramms. Und genau an dieser Stelle setzte der zweite Teil des Akademietitels an: „Ethisch möglich?“ Hinter dieser schlichten Frage verbirgt sich die vielleicht grundlegendste Herausforderung der Menschheit heute, nämlich Beurteilungskriterien für das menschliche Handeln zu entwickeln, Leitplanken, die das mögliche Tun in eine vertretbare, „gute“ Richtung lenken. In insgesamt 11 Referaten von Wissenschaftlern, Vertretern der Wirtschaft, Theologen und Militärs ging man gemeinsam diesen Fragen unter den verschiedensten Gesichtspunkten nach.

Das zweite GKS-Großereignis war die Teilnahme am 100. Katholikentag in Leipzig. Hier beteiligte sich die GKS traditionsgemäß mit einem gut besuchten Stand auf der Kirchenmeile und einem Werkstattgespräch zum Thema: „Hybridkrieger, Cyberwar, Laserwaffen, Drohnen. Als Christ und Soldat für den Frieden.“

Näher ging der Bundesvorsitzende auf die Sachausschussarbeit ein, die im letzten Jahr erfreulicherweise stark intensiviert wurde. Sachausschussarbeit ist nicht nur inhaltliches „Kraftwerk“ für die GKS, sondern es kristallisiert sich immer stärker heraus, dass sie für eine ganze Reihe von Menschen ein attraktives Angebot ist, sich intensiv mit inhaltlichen Fragen im Bereich Sicherheit und Frieden, Internationale Zusammenhänge, Innere Führung und Handlungsansätzen im Bereich Sicherheitspolitik und Militär aus christlicher Verantwortung auseinander zu setzen. In einem gesellschaftlichen Umfeld, dass sich stark individualisiert und in dem immer weniger Menschen bereit sind, sich langfristig zu binden, sich aber mit großem persönlichen Einsatz projektbezogen engagieren, kann die Sachausschussarbeit damit den Erstzugang zu einem neuen Personenkreis eröffnen, der der GKS bisher verschlossen war.

Die Arbeit in den Kreisen und Bereichen wird durch die zunehmende Belastung der Soldatinnen und Soldaten, die geringere Bereitschaft zur dauerhaften Bindung und viele weitere gesamtgesellschaftliche, innerkirchliche und Verbandsfaktoren nicht einfacher. Ohne die Arbeit der Ehemaligen, die ihre größeren Freizeitressourcen in den Dienst der Gemeinschaft stellen, wäre es noch viel schwieriger. Eine gute Balance zwischen aktiven Soldatinnen und Soldaten, Ehemaligen, Familienangehörigen und Sympathisanten zu erlangen und in einer lebendigen Gemeinschaft, in der an den gemeinsamen Zielen gearbeitet wird, zu leben, ist und bleibt eine große Herausforderung.

In unserer mediendominierten, schnelllebigen Zeit, müssen sich Printmedien immer neuen Herausforderungen stellen und ihre Attraktivität und ihre Ziele immer wieder neu konzeptionell-inhaltlich und von der Gestaltung her nachjustieren. Dies gilt auch für das Verbandsorgan AUFTRAG. In den nächsten Monaten wird intensiv an dieser Neujustierung des Konzepts gearbeitet werden. Der AUFTRAG 300 wird deshalb nicht nur eine Jubiläumsausgabe sein, die dankbar Rückschau hält, sondern zugleich auch der Endpunkt einer Ära, auf der dann in der Folgezeit die Verbandszeitschrift mit einem neuen Erscheinungsbild und neuem inhaltlichen Konzept aufbauen wird.

Von Wales über Warschau nach ? -
Herausforderungen und Chancen

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Generalmajor Josef Blotz berichtete uns aus eigener Innensicht als langjähriger Mitarbeiter im NATO-Stab von den Entwicklungen in der NATO. In den letzten Jahren hat die NATO vielerlei Herausforderungen bestanden, nicht zuletzt aufgrund des Hinzukommens einer weiteren strategischen Perspektive. Zur traditionellen „eastern challenge“ trat die „southern challenge“ hinzu. Ihre strategische Bedeutung unterliegt zum Teil starken Veränderungen entsprechend der jeweiligen politischen Weltlage, der nationalen Interessen und dem daraus resultierenden politischen Interessen der Einzelstaaten innerhalb der NATO und der NATO als Gesamtorganisation.  
Diese veränderten strategischen Perspektiven erfordern mit Blick auf die Ziele der NATO (Solidarität und Kohäsion) und ihre Kernaufgaben (kollektive Verteidigung, Krisenbewältigung, kooperative Sicherheit) immer wieder ein Nachjustieren bei den Mitteln und Wegen zur Erreichung dieser Ziele. War bereits seit den 90er-Jahren die Anzahl der sogenannten non-Artikel-5-Situationen sprunghaft angestiegen, so sieht sich die NATO derzeit mit einer verstärkten Besinnung auf Artikel 5 des NATO-Vertrages konfrontiert. Daraus entstehen für die NATO-Partner aber auch für jeden einzelnen Soldaten, jede Soldatin neue Herausforderungen, da diese in vielen Rollen zu handeln haben und eines großen fachlichen und moralischen Instrumentariums bedürfen, um in diesen verschiedenen Rollen bestehen zu können. Daraus resultiert neben einem hohen Ausbildungsanspruch in den militärischen Fertigkeiten auch ein hoher ethischer (Bildungs-)Anspruch an den einzelnen Soldaten, die einzelne Soldatin, aber auch die Streitkräfte und die sie tragenden Staaten.
Der Erfolg der NATO wird wesentlich von der Glaubwürdigkeit des Willens zur Verteidigung abhängen. Dieser spiegelt sich in ihren militärischen Fähigkeiten, dem Ausbildungsstand der Streitkräfte, der Entschlossenheit und im politischen Rückhalt, der den Rückhalt der Sicherheitspolitik und der Streitkräfte in den jeweiligen Bevölkerungen voraussetzt. Gerade darin liegt eine zusätzliche, große politische Herausforderung!
Doch Generalmajor Blotz sprach nicht nur als militärischer Experte zu uns, sondern auch als überzeugter Christ und Mitglied unserer Gemeinschaft und beendete seinen Vortrag mit dem klaren Bekenntnis, dass für ihn sein Glaube und die daraus erwachsende christliche Ethik und Nächstenliebe die Basis bietet, all die Veränderungen, Perspektiv- und Politikwechsel von einem festen Standpunkt aus bewerten und leben zu können. Er lud dazu ein, sich immer wieder gemeinsam dieser Basis zu versichern – intellektuell und betend.
Dieses klare Bekenntnis und die Aufforderung hier zusammen zu stehen und um die Beurteilung der Situation auf der Basis des christlichen Menschenbildes und der christlichen Werte zu ringen und zu werben, war einer der dichtesten Momente der Bundeskonferenz.

Vorstellung der neuen Haushaltsordnung

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Die Haushaltsordnung ist das Instrumentarium, mit dem in der GKS die Finanzierung der Veranstaltungen auf Kreis-, Bereichs- und Bundesebene gemanagt wird. Turnusgemäß müssen diese Regelungen immer mal wieder angeschaut und an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden, was in den vergangenen Monaten mit Wirkung ab Anfang 2017 geschehen ist.
Die neue Haushaltsordnung, sowie alle anderen Ordnungen etc. wurden in einer Broschüre zusammengefasst, die im internen Bereich allen Funktionsträgern zur Verfügung steht.

Workshop-Zeit

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Die gesamte Bundeskonferenz ist die Einladung zum aktiven Mitdenken und Mitgestalten, besonders greifbar wird dies in der Phase der Workshop-Arbeit.
In drei Workshops beschäftigten sich die Delegierten mit wichtigen Themen der GKS:

  1. Erste Schritte mit dem Jahresthema:
    Der Bundesvorstand hat für die Jahre 2017/2018 erstmals ein Zweijahresthema festgesetzt. Grund hierfür ist die Umsetzung des Ziels, allen Interessierten eine gute Arbeitsgrundlage für die Arbeit mit dem Jahresthema an die Hand zu geben. Hierzu soll es ab Mitte 2017 und dann jährlich ein Themenheft zum jeweiligen Jahresthema des nächsten Jahres geben.
    Für die Jahre 2017/2018 lautet das Jahresthema: „Zeitenwenden – Unsere Herausforderungen im 21. Jahrhundert“.
    Im Workshop wurden Aspekte, die in diesem Zusammenhang behandelt werden könnten, Fragen, Schwerpunkte etc. erarbeitet. Die erarbeiteten Ergebnisse werden an die Sachausschüsse weitergegeben, die sich mit den Einzelthemen näher befassen und Ausarbeitungen dazu erstellen werden.
    Selbstverständlich sind alle anderen herzlich eingeladen, sich hier einzubringen. Wenn Sie ein Thema haben, dass für Sie zum Jahresthema passt und aus GKS-Sicht bearbeitet werden sollte, dann melden Sie sich bitte bei uns ( z.B. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) , auch wenn Ihnen interessante oder kontroverse Artikel oder sonstige Materialien zum Jahresthema in die Hände fallen. Bitte zusenden. Wir sind gerade dabei eine interne Materialsammlung aufzubauen!

  2. Das Weisßbuch:
    Bereits im letzten Jahr hatte sich die Bundeskonferenz mit dem Weißbuch, das zu diesem Zeitpunkt gerade im Stadium der „Materialsammlung“ war, beschäftigt. Als Ergebnisse dieser Befassung wurde eine Erklärung zum Weißbuch herausgegeben
    (http://www.gemeinschaft-katholischer-soldaten.de/attachments/article/438/Statement%20Wei%C3%9Fbuch%202016.pd ),
    die an die zuständige Stabsstelle gesandt wurde, um ein Teil des Materials zur Erarbeitung des Weißbuchs zu sein.
    Der Workshop beschäftigte sich zum einen mit der Auswertung der Frage, ob und ggfs. was sich aus der Erklärung von 2015 im Weißbuch wiederfindet. Darüber hinaus beschäftigte er sich aber intensiv mit dem Inhalt des vorliegenden Weißbuchs insgesamt.
    Auffällig ist, dass sich der Begriff Militärseelsorge im Weißbuch überhaupt nicht findet und der gesamte Bereich der Inneren Führung und der ethischen Bildung nur sehr kurz „gestreift“ wird .
    Der Personalentwicklungsstrategie wird – aufgrund des demographischen Wandels und der daraus resultierenden Personalverknappung in allen Bereichen sehr konsequent und folgerichtig – ein breiter Raum gewidmet. An wenig exponierter Stelle wird dabei die zukünftige Einstellung von EU-Bürgerinnen und Bürgern als Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr als ein Weg der Sicherung der notwendigen Personalstärken dargestellt. Dies ist nach einhelliger Meinung aller Workshopteilnehmer ein Thema, das nicht so nebenbei in einem Gesamtwerk erwähnt werden darf, sondern zu dem – wenn man es ernst meint mit der Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft - mit den Bürgerinnen und Bürgern, die letztlich die „Dienstherren“ sind, der gesamtgesellschaftliche Diskurs ergebnisoffen gesucht werden muss.
    Aber ist dieser im Gesamtthemenbereich Sicherheitspolitik/Bundeswehr wirklich gewollt? Diese Frage drängt sich auf, wenn im Weißbuch immer wieder ein höchst optimistisches Bild zur Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft gezeichnet wird. Viele der Workshopteilnehmer konnten dies aus eigener Erfahrung so nicht nachvollziehen. Wenn aber die Analyse zur Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft fehlerhaft oder zu optimistisch wäre, dann wären die darauf basierenden Schlussfolgerungen ebenfalls fehlerbehaftet.
    Hier sahen die Workshopteilnehmer eine Aufgabe der GKS für die kommenden Monate.

  3. Verbandszeitschrift AUFTRAG:
    Der Bundesvorsitzende hatte bereits in seinem Beitrag zum Lagebericht auf die anstehenden Veränderungsnotwendigkeiten beim Verbandsorgan AUFTRAG hingewiesen. Die Teilnehmer des Workshops erarbeiteten einen umfangreichen Katalog an Hinweisen und Vorschlägen sowohl zu Designfragen als auch zur inhaltlichen Ausrichtung, der Erscheinungsweise und der Zielgruppenorientierung. Dieser Katalog wird eine wichtige Grundlage für die Arbeit des Sachausschusses Kommunikation am zukünftigen Konzept des AUFTRAGS und der damit eng verknüpften gesamten Öffentlichkeitsarbeit der GKS.

Anpacken statt aussteigen –
Der Auftrag des Christen in unserer Welt

Bild 7 Alois Glück von MS w

Am Donnerstag zwischen 14.00 und 14.30 Uhr wurde es ganz still im Vortragsraum. Alle saßen gespannt da, viele rückten während dieser halben Stunde unbewusst auf dem Stuhl immer weiter nach vorne, um ja kein Wort zu verpassen. Schon nach ganz kurzer Zeit konnte man in den Pausen des Redners eine Stecknadel fallen hören.

Vorne am Pult stand ein nicht besonders hochgewachsener, älterer Herr, der völlig unaufgeregt und sehr bescheiden, aber mit sichtbarem inneren Engagement und großer Überzeugungskraft zu uns sprach. Dieser ältere Herr war Alois Glück, Landtagspräsident a.D. und ZdK-Präsident a.D.

Gerne und interessiert an einem Austausch mit uns war er der Einladung des Bundesvorsitzenden gefolgt, um mit uns über ehrenamtliches Engagement, seine Voraussetzungen, Entwicklungen und Chancen ins Gespräch zu kommen.

Wie kommen Menschen in ein ehrenamtliches Engagement?

Hier sieht Glück die katholische Jugendarbeit in ihren verschiedensten Ausprägungen, die Vereinsarbeit allgemein, aber auch die Mitwirkungsgremien in Schulen und Kommunen als eine hervorragende Schule für junge Menschen. Sie erfahren dort einerseits, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement anderer für ihr eigenes Leben ist, etwa das des Gruppenleiters, der Trainerin, des Ausbilders. Andererseits eröffnet sich ihnen dort die Möglichkeit in überschaubaren Bereichen selbst erste Schritte des ehrenamtlichen Engagements für andere zu machen und dabei zu üben, wie man Zusammenarbeit organisiert, seine Meinung vorträgt und vertritt, für die gemeinsamen Ziele kämpft und das Machbare umsetzt. – Alles Fähigkeiten, die für ehrenamtliches Engagement unverzichtbar sind.

In einer sich immer stärker individualisierenden Gesellschaft, in der die Menschen stark in ihren beruflichen Bezügen gefordert und eingebunden sind, tun sich aber Vereine, Vereinigungen, Gruppierungen in denen solches Engagement eingeübt werden kann, immer schwerer, Menschen zu finden, die sich hier mit ihrer Freizeit, ihrer Tatkraft und ihrem Wissen einbringen. Umso wichtiger ist es, dass wir alle dafür eintreten, dass diese Übungsfelder für unsere jungen Menschen erhalten bleiben.

Welche Voraussetzungen braucht glaubhaftes, nachhaltiges und wirksames ehrenamtliches Engagement?

Die Antwort auf diese „Mutter aller Fragen“ gab Alois Glück als 4-Punkte-Katalog:

  1. Fachkompetenz
    Häufig würde mit Blick auf die starke moralische Basis, die verfolgten Werte und die „gute“ Gesinnung, die doch Grundlage des eigenen Handelns sei, dem Inhaltlichen, für das man eintritt, zu wenig Bedeutung beigemessen. Aber: Nur wenn man auch etwas inhaltlich zur Thematik beizutragen hat, hat man eine Chance gehört zu werden und kann damit auch die mit den Inhalten mittransportierten Werte und Maßstäbe in die Diskussion einbringen.

  2. Werteorientierung

  3. Ethik des Kompromisses
    Diese ist nicht nur eine gute Basis für die Erreichung von Zielen, sondern auch die Voraussetzung einer humanen Welt.

  4. Bereitschaft zum Engagement
    Dabei ging es ihm nicht nur um ein Engagement innerhalb des kirchlichen Raums, sondern auch um das Engagement hinein in den öffentlichen Raum. Es ging um das Stellungbeziehen gegen Stammtischgerede, gegen überzogene Erwartungshaltungen und Schlechtreden, sowohl in Bezug auf Menschen, Gruppierungen und Gruppen als auch bezogen auf unsere Kirche als Organisationsgebilde und unseren Staat und seine freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Mutmacher: Engagierte Minderheiten bewegen was!

Mut machte dabei seine Feststellung, dass alle Entwicklungen in Großgruppen und Staaten geprägt werden von engagierten Minderheiten. Dies macht Mut, verstellt zugleich aber die Möglichkeit der Flucht in die Entschuldigung, dass man ja sowieso nichts ändern könne. Ob sich etwas ändert und ob es sich zum Guten ändert, liegt damit auch an uns, an mir.

Und dann kam er zur Politik – dem Feld, das ihm in ganz besonderer Weise am Herzen liegt.

Im Bewusstsein der meisten Menschen ist Politik eher mit Machtstreben als mit ehrenamtlichem Engagement verbunden, aber: Die allermeisten Menschen, die in Parteien, politischen Vereinigungen und Bürgerinitiativen engagiert sind, tun dies ehrenamtlich. Ohne diese zigtausende Menschen, würde das demokratische System, so wie wir es schätzen, nicht existieren können.

Alois Glück stellte an dieser Stelle bedauernd fest, dass es zwar in den Gremien kirchlicher Laienarbeit immer eine ganze Reihe bekannter oder weniger bekannter politisch Tätiger gibt, dass aber die Zahl der aktiven Katholiken, die sich auch in der Politik engagieren, geringer wird. Damit aber fehlt dort die kompetente Fachsicht auf christlicher Basis. Dies sei, so stellte Alois Glück fordernd fest, in unserer Zeit von besonderer Bedeutung, da wir in Zeiten starker Veränderungen lebten. Jetzt würden viele Weichen gestellt werden, jetzt gelte es mit zu handeln.
Im Ringen um die Zukunft muss Respekt voreinander und den unterschiedlichen Lösungsansätzen die Handlungsbasis bilden. Damit christliche Werte in Staat und Gesellschaft gehört werden können, müssen wir uns immer stärker selbst mit unserer eigenen Basis beschäftigen: Was ist wesentlich? Warum? Was ist veränderbar? Was bedeutet dies in unserer konkreten Situation? Aus dieser intensiven Beschäftigung mit unserem eigenen Glauben, unseren christlichen Werten kann dann eine Sprachfähigkeit erwachsen, die nicht leere Formeln verwendet, sondern selbstbewusst und reflektiert auch für Andersdenkende eine Diskussionsbasis bilden kann, sowohl innerhalb der Kirche als auch darüber hinaus in Staat und Gesellschaft.

In der anschließenden Diskussion durften wir einen hochaufmerksamen Alois Glück erleben, der sich in einen intensiven Gesprächsprozess mit den Delegierten begab und auf jede Frage und Anmerkung mit großer Sorgfalt einging.

Viel zu schnell waren die angesetzten 90 Minuten herum und auch die „Nachspielzeit“ verflog wie im Fluge. Noch lange hallte der Nachmittag in den Gesprächsrunden nach. Und immer wieder hörte man, dass dieser Vortrag nicht nur interessant war, sondern die Delegierten berührt hatte.

Zum Schluss

Im Lauf der Bundeskonferenz und auch der Woche der Begegnung insgesamt wurde sehr deutlich, wie unverzichtbar ehrenamtliches Engagement für unsern Staat, unsere Kirche, unsere Gesellschaft, für jeden einzelnen von uns ist. Ohne ehrenamtliches Engagement ginge vieles gar nicht und wäre unser Leben ärmer und kälter.
Zugleich wurde deutlich, welche Herausforderung ehrenamtliches Engagement für den Einzelnen bringt, aber auch welche Herausforderung es für große und kleine Gemeinschaften, die Kirche und die Gesellschaft darstellt, dieses von ihr so dringend benötigte ehrenamtliche Engagement zu erhalten, Menschen zu solchem zu ermutigen und Wege zu ebenen, damit dieses fruchtbar werden kann.

Der Satz von Alois Glück, dass Entwicklungen immer von engagierten Minderheiten ausgehen, sollte uns dabei Mut machen. Genau diesen Mut, den ich uns allen wünsche, beschreibt eine Liedzeile:

Mit meinem Gott spring ich über Mauern,
mit meinem Gott stell´ ich die Welt auf den Kopf,
mit meinem Gott,
mit den Schwestern und Brüdern,
bauen wir an unsrer Erde,
bauen wir an seinem Reich

                                                                                     Herbert Adam

Text: Regina Bomke
Bilder: Marian Schiebilski, Hubert Berners


[1] vgl.: http://www.kmba.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/a/kmba/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK93Myc4tTUnOL47NykRBAvsySxKEmvKDUlNa80T8_IwNBMvyDbUREAue8uDQ!!/